Daily Archive for Februar 1st, 2008

Anwendungszen: Instapaper

Besonders schön finde ich Internetdienste, deren Zweck man mit wenigen Worten beschreiben kann. Instapaper von Marco Arment (hier die Ankündigung) gehört da auf jeden Fall dazu. Worum gehts? Man kann sich Internetseiten merken, die man später noch lesen möchte. Im Prinzip nichts anderes als Browserbookmarks – allerdings mit Weboberfläche und daher potentiell von überall verfügbar – bzw. als del.icio.us – allerdings mit einer Anzeige, ob man das Bookmark schon gelesen hat oder noch nicht. Letzteres würde man als Alleinstellungsmerkmal von Instapaper bezeichnen. Hier sieht man dieses Prinzip in action: ein ungelesener und ein gelesener Artikel auf meinem Instapaper.

instapaper.png

Interessant auch, wie niedrig bei Instapaper die Partizipationsschwelle ist. Man muss nur (s)eine Emailadresse eingeben, um mitzumachen. Es kann auch eine falsche sein. Dann kann man, muss aber nicht, seinen Account mit einem Passwort versehen. Entsprechend spärlich ist auch das Registrierungsformular – wahrscheinlich eine der wenigen Seiten, auf dem das Loginformular mehr Felder enthält als das Registrierungsformular.

instapaper2.png

Wahrscheinlich muss man sich die Geschichte der Web-(2.0)-Dienste als Pendelbewegung vorstellen. Auf der einen Seite die All-in-One-Dienste, mit denen man alles mögliche tun kann (Email, Netzwerk, IM, Bookmarks), und auf der anderen Seite spezialisierte Anwendungen wie Twitter oder Tumblr, die nur für eine einzelne Aufgabe gedacht sind – dafür aber diese Aufgabe besonders elegant erledigen. Auf der einen Seite Barock, auf der anderen Seite Zen. Gerade zieht die Karawane wieder in Richtung Zen.

Andere dazu:

  • Florian Steglich lobt den neuen social bookmark-Dienst dafür, dass er sowohl das social als auch das tagging weglässt und hält Instapaper für “besser geeignet als ein “to read”-Tag bei ebendiesen Diensten, der unter tausenden anderer Bookmarks verschwindet.”
  • Für Techcrunch ist es ein “cool new service” und auch für Robert Basic ist es ein “idealer Dienst”.
  • Mark Evans hält es für “one of those online services that should be enthusiastically adopted”.
  • Mark Ghosh stellt bislang eine der wenigen kritischen Fragen: “I wonder how they would monetize it?”
  • MG Siegler macht sich viel Mühe und erzählt seine bisherigen Bookmarkinggewohnheiten, die schön teleologisch in Instapaper einmünden.


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  • Laut Wikipedia …

    Noch ein Indiz dafür, wie weit sich Wikipedia als Wissensquelle im öffentlichen Diskurs durchgesetzt hat. In der Spiegel Online-Meldung über die Parkinsonerkrankung eines bekannten Schauspielers liest man über die Krankheit folgendes:

    Morbus-Parkinson ist eine sich langsam entwickelnde neurologische Erkrankung. Sie beginnt schleichend und schreitet zeitlebens fort. Laut Wikipedia gibt es heute noch keine Möglichkeit die Krankheit aufzuhalten oder zu Verhindern.

    Auf der einen Seite löblich, dass der Autor die aus der Wikipedia übernommenen Passagen (“Die Erkrankung beginnt schleichend und schreitet danach zeitlebens fort.”) Nur hätte er dann beim Umformulieren des zweiten Satzes darauf achten sollen, aus dem großgeschriebenen Hauptwort “Verhindern” (auf Wikipedia: “Es gibt heute noch keine Möglichkeit einer ursächlichen Behandlung des Parkinson-Syndroms, die in einem Verhindern oder zumindest einem Aufhalten der fortschreitenden Degeneration der Nerven des nigrostriatalen Systems bestünde.”) ein kleingeschriebenes Verb zu machen.

    Aber geschenkt. Bemerkenswert finde ich, dass sich auch im Qualitätsjournalismus die für ihre mangelhafte Qualität immer wieder angegriffene Wikipedia mittlerweile als Auskunftsquelle für den Stand der wissenschaftlichen Forschung zu etablieren scheint. Kein Journalist 1.0 hätte wohl für so eine Aussage den Brockhaus oder die Encyclopedia Britannica herangezogen. Zu schnell veraltet und vielleicht auch zu wenig Kontrolle durch die Peers auf dem entsprechenden Fachgebiet.



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