Die walled gardens öffnen sich ein Stückchen: Google, Facebook und Plaxo engagieren sich für Datenportabilität

meister_des_frankfurter_paradiesgartleins_001.jpgGerade eben habe ich gelesen, dass sich Google, Plaxo und Facebook der DataPortability-Workgroup angeschlossen haben und somit vielleicht der walled garden-Charakter der digitalen sozialen Netzwerke (Kosmar nennt das ein “Datengrab“) bald der Vergangenheit angehören könnte. Worum geht es dieser Arbeitsgemeinschaft? Mit dem Slogan “Sharing is Caring” soll auf Grundlage bestehender Technologien und Standards wie OpenID, APML, Microformats, RDF, RSS, OPML und OAuth erreicht werden, dass beispielsweise die Daten zwischen sozialen Netzwerken wie Facebook, MySpace und Xing ausgetauscht werden können. Bislang war das nur schwer möglich.

Für mich ist das nur eine folgerichtige Entwicklung, die bestehende Netzwerktechnologien näher an die immer wieder verwendete Community-Metapher heranführt. So kann man unterscheiden zwischen objektzentrierten und personenzentrierten Netzwerken. Bei objektzentrierten Netzwerken kann die Verbindung zwischen den Mitgliedern einer virtuellen Gemeinschaft auf Grundlage geteilter Objekte bestehen. Das kann das Abspeichern eines Hyperlinks sein oder die Leidenschaft für das Musikhören. Anders bei personenzentrierten Netzwerken, in denen Beziehungen zwischen Personen abgebildet werden, die ganz unterschiedlicher Art und Stärke sein können. Facebook-Mitglieder haben nicht sehr viel mehr gemeinsam als dass sie sich mit Hilfe dieser social software vernetzen. Dasselbe gilt für Xing-Nutzer.

Da man aber die dort eingegebenen Personendaten und vor allem die dort abgespeicherten Verbindungen bislang nicht transportieren konnte, bestanden diese Verbindungen streng genommen nicht zwischen den Personen, sondern ihren jeweiligen Netzwerk-Avataren. Wenn Facebook-Bob mit Facebook-Anne verbunden ist, bedeutet das noch lange nicht, dass auch Xing-Bob und Xing-Anne eine Verbindung besitzen. De:bug fasst das schön knapp in der Formel zusammen: “Dein Social Graph war nie deiner”. Außerdem ist man in diesem Modell immer an das Wohlwollen des Anbieters gebunden, der jederzeit Personen sperren konnte wie jüngst Blogdampfinallengassen Robert Scoble.

Genau an dieser Stelle greifen die oben erwähnten Standards ein, die für die Verwirklichung einer grundlegenden “Webdienste-Freiheit 0” sorgen könnten, also dafür, dass Daten portierbar werden und man – im Idealfall – mit wenigen Mausklicks seine soziale Umwelt, in der man sich in einem Netzwerk bewegt auch in anderen nachbauen kann. Hier kann man dann von tatsächlichen sozialen Beziehungen sprechen und in Folge auch von einer echten (plattformunabhängigen) Community. Mal sehen, was in der Praxis daraus wird und vor allem: welche Lösung die Anbieter von social networking für das Problem finden, dass mit der Transportabilität sozialer Beziehungen auch der Wert der von den Nutzern in der Software hinterlassenen Personendaten schwindet. Vielleicht erweist sich ja das targeted advertising als brauchbare alternative Monetarisierungsquelle.

Andere zu diesem Thema:

  • Robert Basic packt die Problematik in eine Kaffeehausmetapher und stellt fest: “Sobald ich ein Cafe betrete, werde ich aufgefordert, andere User einzuladen. Wenn ich wieder rausgehe, kann ich meine Freunde nicht mitnehmen, die bleiben als Geiseln, damit ich wiederkomme, ja oft und lange wiederkomme.”
  • Thomas Pleil hält für möglich, dass Facebook und Google der Arbeitsgemeinschaft vor allem deshalb beigetreten sind, um sich auf dem Laufenden zu halten, was zu diesem Thema so alles diskutiert wird. Außerdem ist Datenportabilität nur dann sinnvoll, wenn sich die Netzwerke tatsächlich voneinander unterscheiden.
  • Ähnlich sieht das auch Uli Kutting, der einen Wandel von “SNs (Social Networks)” zu “SINs (Special Interest Networks)” sieht.

(Abbildung: Das Paradiesgärtlein, Maria im beschlossenen Garten mit Heiligen, um 1410)



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  • 1 Responses to “Die walled gardens öffnen sich ein Stückchen: Google, Facebook und Plaxo engagieren sich für Datenportabilität”


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    1. 1 Daten sollen dem User gehören - Guter Tag für die Internetnutzer at franztoo

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