Monthly Archive for Dezember, 2007

Gruscheln als Alternative zum Nachrichtenkonsum?

Noch ein kleiner Nachschlag zur Print-versus-Online-Debatte: Kalle Jungkvist, Chefredakteur der schwedischen Tageszeitung Aftonbladet, sieht nicht in anderen Printprodukten die scharfsten Konkurrenten der eigenen Onlineausgabe, sondern erstaunlicherweise in Facebook:

When Aftonbladet.se recently did a focus group with twentysomethings, the main competitor in terms of time to Aftonbladet.se was said to be Facebook. The choice for young Internet users was to, more or less, aimlessly surf Aftonbladet or Facebook for a while.

Jeff Jarvis ist da etwas zurückhaltender und sieht Facebook nicht als Konkurrenz für Tageszeitungen, sondern vielmehr als zusätzlichen Vertriebskanal für Nachrichten:

If I were making Facebook applications for news organizations now, I wouldn’t be making quizzes and such fripperies. I’d be figuring out how to get news that matters to you in your news feed. I’d be finding ways to tie you with other people who share your interest and know what you want to know. I’d find ways to enable you to recommend more news to your friends.

Seen this way, Facebook isn’t a competitor for a newspaper. It’s just another place to help your community.

Irgendwie haben beide Recht. Natürlich ist Facebook (oder auch Google) kein direkter Konkurrent für eine Tageszeitung, wenn es um den Abruf von Nachrichten geht – wie edenstrom es so schön sagt: “Googling for ‘news’ gets you nowhere.” Aber wenn man allgemeiner auf die aufmerksamkeitsökonomische Zeitkonkurrenz sieht (Stichwort: “Umverteilung von Medienzeitbudgets”), dann könnte ein Social Network tatsächlich als Alternative zu einer Tageszeitung wahrgenommen werden. Je ähnlicher die Aktivitäten wahrgenommen werden, die sich auf die unterschiedlichen Medienzeitbudgets beziehen, desto realistischer ist die Substitutionsthese. Wenn es also wirklich nur um das “aimlessly surfing” geht, kann es tatsächlich egal sein, ob man in einem sozialen Netzwerk oder einer Onlinezeitung unterwegs ist.



Verwandte Artikel:
  • StudiVZ, schülerVZ und meinVZ dominieren den Community-Buzz der Blogosphäre
  • Warum wir eine Arbeitsgemeinschaft Blog- und Communityforschung brauchen
  • Die walled gardens öffnen sich ein Stückchen: Google, Facebook und Plaxo engagieren sich für Datenportabilität
  • Online verdrängt Print: Studie befasst sich mit den Digitalisierungsverlierern Tageszeitungen

    Wir können nun wissenschaftlich zeigen,
    dass Print gegen den digitalen Medienwandel
    nicht immun ist
    (Kolo/Meyer-Lucht)

    max_slevogt_francisco_dandrade_zeitung_lesend_1903.jpgWenn man sich diesen Aufsatz (“Erosion der Intensivleserschaft”) von Castulus Kolo und Robin Meyer-Lucht durchliest, der am Freitag in der Fachzeitschrift “Medien & Kommunikationswissenschaften” veröffentlicht wird, erscheinen die jüngsten Wortschlachten zwischen Qualitätszeitungen auf der einen Seite und Bloggern auf der anderen etwas verständlicher, denn das Fazit der Wissenschaftler lautet wie folgt:

    Die Autoren zeigen, dass Tageszeitungen genau dort besonders viele treue Leser verlieren, wo eine starke Hinwendung zum Internet als Nachrichtenmedium zu beobachten ist: Je stärker die Nutzungszunahme von Online-Nachrichten in einer Altersgruppe, desto gravierender sind zugleich auch die Einbußen der Tageszeitungen.

    Zu diesem Ergebnis kommen Kolo und Meyer-Lucht durch eine Zeitreihenanalyse der vom Allensbach-Institut erhobenen ACTA- und AWA-Daten der Jahre 2001-2006. Die Autoren lehnen auf ihrer Datengrundlage die Komplementärnutzungsthese (Online verdrängt Print nicht, sondern beide Medien ergänzen sich in ihren jeweiligen Stärken) ab und sehen eine wachsende Polarisierung: Die Parallelnutzung erscheint hier als bloßer Übergang zu einer “habitualisierten Entscheidung” für oder gegen Print. Besondern bei den jüngeren Altersgruppen, die als digital natives mit dem Internet aufgewachsen sind, lässt sich also eine echte Abwendung von den Printmedien betrachten. Damit erscheint die bisherige Koexistenzthese (etwa das Rieplsche Gesetz) als verzweifelter Versuch der Selbstlegitimierung der Digitalisierungsverlierer Tageszeitungen.

    Besonders interessant und brisant finde ich diesen medialen Verdrängungseffekt angesichts der möglicherweise nicht nur rein zufällig mangelhaften Umsetzungen des Konzepts “Online-Tageszeitung”, wie zum Beispiel Stefan Niggemeier am Beispiel der Klickgalerien eindrucksvoll demonstriert. Ja, man könnte vielleicht sogar die restriktiven Kommentar-Öffnungszeiten der Süddeutschen Zeitung als Versuch sehen, den Always-On-Charakter des Mediums, einen der zentralen Katalysatoren des Wandels, zu sabotieren. Da stellt sich doch die Frage, wie sehr sich dieser Medienwandel der Tageszeitungen beschleunigen würde, wenn die Medienhäuser ihre digitale Kompetenz aufsbauen würden.

    Lesenswert dazu auch:

    • KoopTech: Gatekeeping schwer gemacht. In dem Beitrag kommt Christiane zu dem Ergebnis: “Gatekeeper spielen keine Rolle mehr, wenn sie offensichtlich keine exklusiven Inhalte mehr liefern können, wenn sie nicht allein mehr über den Spin einer Geschichte entscheiden können.”

    (Bild: Max Slevogt: Der Sänger Francisco d’Andrade, Zeitung lesend, 1903)



    Verwandte Artikel:
  • Gruscheln als Alternative zum Nachrichtenkonsum?
  • Print-News sind ein Zombie: IDG-Studie zur Mediennutzung von Entscheidern
  • Internet beeinflusst Kaufentscheidungen stärker als Print oder Fernsehen
  • Perlentaucher-Streit: Zitate weiterhin erlaubt

    Aufatmen. Wie ich vorhin in KoopTech gelesen habe, hat das Oberlandesgericht Frankfurt/Main Perlentaucher im Streit gegen FAZ und SZ Recht gegeben und damit die Auffassung bestätigt, dass Zitate auch dann möglich sind, wenn sie den Inhalt einer Rezension o.ä. so intelligent zusammenfassen, dass man den Ursprungsartikel gar nicht mehr zu lesen braucht. Das heißt also, dass man auch weiterhin rechtlich nicht dafür belangt werden kann, wenn man die zunehmend routiniert wirkenden Print-Ausfälle gegen das anonyme Mitmachweb mit dem Wort “bullshit” prägnant zusammenfasst und damit die Lektüre der Artikel erübrigt.



    Verwandte Artikel:
  • “Aus den Blogs”
  • Blog als Kommentar (2000)
  • Erntezeit (2): Wölfin trotz inet zugangs weiterhin zum offline schreiben verurteilt
  • Die ältesten der Top-100-Blogs

    Nachdem ich mir hier nur Ausschnitte der Deutschen Blogcharts angesehen habe, hier nun the full monty: die aktuellen deutschsprachigen Top-100-Blogs nach Alter geordnet. Der Schockwellenreiter ist also meinem Erkenntnisstand nach das älteste Blog der Charts. Aber nicht das älteste der Blogosphäre insgesamt. Im Bloghistory-Zeitstrahl liegt bislang Moving Target (20. Juli 1996) vorne. Achtung: Es kann gut sein, dass das ein oder andere Blog noch falsch datiert ist, wenn die entsprechenden Posts nicht im Archiv waren. Ich bessere das aber gerne aus.

      Blog Erster Eintrag Datum Blogcharts-
    Rang
    1 Der Schockwellenreiter Das offene Ohr 23.04.2000 53
    2 wirres.net kanaldeckelficker mit fettansatz 11.07.2000 29
    3 anke gröner Ocean’s Eleven 30.01.2002 96
    4 Spreeblick Politik Pur 06.04.2002 3
    5 Irgendwas ist ja immer Neues Blog – Neues Glück 31.08.2002 40
    6 Basic Thinking Mein erster Eintrag 03.02.2003 1
    7 popkulturjunkie.de downloadbefehl 10.02.2003 63
    8 law blog Terminplan 26.03.2003 6
    9 Wortfeld Teletext: 30 Jahre Austastlücke 29.05.2003 92
    10 rabenhorst Der große Bruder sieht dich (immermehr) 01.07.2003 68
    11 fscklog Weiteres zu X.3 06.08.2003 23
    12 praegnanz.de So, der base-blog ist eröffnet 03.09.2003 33
    13 Werbeblogger Deutscher Markenverband: Kampagne umstritten 06.10.2003 9
    14 NachDenkSeiten INSM verbreitert die Öffentlichkeitsarbeit 30.11.2003 58
    15 Rebellen ohne Markt Ich bin´s 03.12.2003 74
    16 telagon sichelputzer Wir fangen an! 11.12.2003 69
    17 pixelgraphix Keine Geldnoten in Bildbearbeitungen 08.01.2004 39
    18 peruns weblog Jetzt geht’s los! 15.01.2004 46
    19 Fontblog Sonderzeichen Europa 12.02.2004 25
    20 Dr. Web Weblog Symbole, Buttons und Icons zum Download 14.03.2004 21
    21 Mario Sixtus Check.. One.. Two.. 18.03.2004 72
    22 slanted Versus nun erhältlich 02.04.2004 24
    23 Chilloutzone.de flash4 treecrashtraining 13.05.2004 16
    24 Blogbar Open 16.05.2004 12
    25 Bild Blog Frage zum Anfang 06.06.2004 2
    26 sagichdoch   15.06.2004 61
    27 medienrauschen Willkommen 27.06.2004 57
    28 MC Winkels weBlog Fieser Scheitel 28.07.2004 17
    29 PR Blogger Verlage schöpfen B2B-Potenzial des Internets nicht aus 28.07.2004 56
    30 netzpolitik.org FSFE & LinuxTag e.V. 10.08.2004 5
    31 agenturblog Corvette-Spot mit Fehlstart 28.08.2004 84
    32 Photoshop Weblog Technische Zeichnungen von Kevin Hulsey 01.09.2004 95
    33 1x umrühren bitte Einladung 17.09.2004 18
    34 WordPress Deutschland Willkommen 01.11.2004 20
    35 lummaland Snap BETA – transparente Suche? 01.12.2004 100
    36 Connected-Marketing.de Ein Anfang 20.01.2005 78
    38 Der Shopblogger Spirituosen in Mehrwegflaschen 24.01.2005 14
    37 Mac Essentials IT&W rekonstruiert Mac-Video 24.01.2005 88
    39 Indiskretion Ehrensache Wie alles beginnt ? 28.01.2005 10
    40 Fischmarkt Warum enttäuscht Amazon? 03.02.2005 82
    41 BloggingTom Ich bin auch ein Blogger 10.02.2005 36
    42 Nerdcore Nerdcore Online! 21.03.2005 8
    43 Fefes Blog 31.03.2005 45
    44 Internetmarketing News Google und Yahoo werden verklagt 26.04.2005 51
    45 Mein Parteibuch Gestern habe ich den Eintritt in eine politische Partei beantragt 27.05.2005 94
    46 Riesenmaschine Wiki-Wahlprogramm 01.06.2005 49
    47 kosmar Hello world! 14.06.2005 99
    48 yoda.ch Schade um die Roestibeiz 16.06.2005 48
    49 bueltge.de Allg Update bueltge.de 24.07.2005 15
    50 Hauptstadtblog Berlin am Dienstag 09.08.2005 47
    51 Beetlebum.de my first blog :) 12.08.2005 19
    52 Best-practice-business Wir gehen an den Start 13.08.2005 62
    53 SOS-SEO Seo-Blog gestartet 04.09.2005 71
    54 Glühweinjunkies Grandmaster Flash’s Guide: Sprit sparen 05.09.2005 75
    55 software guide Willkommen auf der neuen Seite 13.09.2005 7
    56 Politblog.net Politblog bewegt – Aktion Postleitzahl 28.09.2005 38
    57 dataloo Ricoloop und die Ohrbooten auf Tournee 14.10.2005 97
    58 GoogleWatchBlog GoogleWatch 27.10.2005 13
    59 Ehrensenf Bill Gates & Steve Jobs; sch”ne U-Bahnh”fe; faule Demonstranten; 01.11.2005 11
    60 blog.blogscout.de Willkommen auf blog.blogscout.de 28.12.2005 35
    61 web2null Web2Null – das Web 2.0 Sammelalbum 31.12.2005 59
    62 turi2 Wo hin. 03.01.2006 65
    63 Politically Incorrect   05.01.2006 30
    64 Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn 1. Kapitel?! 07.01.2006 66
    65 Blogwiese Hallo Welt! 02.02.2006 83
    66 Lizas Welt Merkels Spagat 06.02.2006 87
    67 F!XMBR Herzlich Willkommen 22.02.2006 31
    68 ANDERS denken Der Hüpf-Faktor 01.03.2006 64
    69 ahoi polloi (1) 05.03.2006 98
    70 neuerdings neuerdings.com launcht am 9. März 08.03.2006 70
    71 Fünf Filmfreunde Im Auftrag des Vatikans 22.03.2006 43
    72 Readers Edition Langsam wird es konkret 28.03.2006 37
    73 Krusenstern Wir hissen die Segel und los gehts! 26.04.2006 91
    75 MacNotes.de Warten auf’s iPhone 14.05.2006 60
    74 Gründerszene Hello world! 14.05.2006 76
    76 USA Erklärt Wollen wir ihn reinlassen? 15.05.2006 55
    77 admartinator.de apfelquak 14.06.2006 89
    78 Das Kopfschüttel-Blog Krabbensalat 26.06.2006 77
    79 Prinzess’ Allerlei Hallo Welt! 27.06.2006 34
    80 Stefan Niggemeier Turi & Fonsi 27.07.2006 4
    81 medienlese.com 6 vor 9 02.08.2006 41
    82 blog.tagesschau.de Los geht’s 08.08.2006 67
    83 Style-Spion Designer T-Shirts Angebot 19.08.2006 90
    84 stereopoly.de RSS? Ist das lecker? 24.08.2006 52
    85 Datenschmutz Bierce des Tages 01.09.2006 54
    86 Elektrischer Reporter 01: Tim Bruysten und Simon Kock über Mnemo 18.09.2006 32
    87 StoiBär Sing mit Schorsch 19.09.2006 93
    88 Frank Helmschrott Mein privates Weblog 24.09.2006 86
    89 fudder Guten Tag, hier ist fudder 26.10.2006 42
    90 Die Achse des Guten Leon Wieseltier: Sag Ja zum Nein 11.11.2006 85
    91 Upload Anstiftung zur Revolution 20.11.2006 27
    92 Blogschrott.net Hunderte Besucher für euren Blog 11.02.2007 50
    93 off the record Flop: Suzuki vergisst die Produktbotschaft 15.02.2007 44
    94 zweinull.cc web.de bringt in Kürze unddu.de an den Start 15.03.2007 80
    95 Probloggerworld Alles was man über die Impressumspflicht für Blogs wissen muss … 31.03.2007 73
    96 Der Spiegelfechter Willkommen beim Spiegelfechter 04.04.2007 22
    97 Sprechblase Vogel fliegt. Fisch schwimmt. Ich blogge 11.04.2007 79
    98 deutsche startups Jetzt geht’s los 14.04.2007 26
    99 Bestatterweblog Rittersporn für Kurt 16.04.2007 28
    100 annalist annalist 01.10.2007 81

    Jedem ?p=1 wohnt ein Zauber inne.



    Verwandte Artikel:
  • Die Geschichte der deutschsprachigen Blogosphäre als Zeitstrahl
  • Das Ende der Blogsphäre
  • Creative-Commons-Blogs – ein Erfolgsgeheimnis?
  • Die Geschichte der deutschsprachigen Blogosphäre als Zeitstrahl

    Endlich habe ich einen Grund, einmal das lightweight-datapublishing-API Simile auszuprobieren. Und zwar mit den hier dargestellten Daten der ältesten Blogs in Deutschland (hier geht’s zum Zeitstrahl):

    bloghist.png

    Natürlich noch höchst unvollständig, ich bitte um Hinweise auf weitere Ur-Blogs.



    Verwandte Artikel:
  • Hinweis: Stau in der metaroll
  • Das Ende der Blogsphäre
  • Karte der deutschsprachigen Blogosphäre
  • Texte zur Kunst 68

    Gerade in den Briefkasten geguckt … und das Wochenende ist schon einmal gerettet. Danke, Isabelle.

    img_6836.jpg



    Verwandte Artikel:
  • Neue Medientheorie
  • Wissenschaftler: Online-Verwertungsrechte schützen!
  • Folien zur Tagung “Uneindeutigkeit als Herausforderung”, Teil 2
  • Auf der Suche nach den ältesten Blogs Deutschlands (UPDATE)

    Nachdem ich gestern hier ein paar Maßzahlen vorgestellt habe, mit denen man den Erfolg oder Einfluss eines Weblogs bestimmen könnte, habe ich zwei dieser Maßzahlen einmal an den Top 20-Blogs der Deutschen Blogcharts ermittelt: das Alter und den Einfluss (also die Position in den Blogcharts, die auf der Technorati-Authority beruht). Weil es so schön ist, habe ich auch noch gleich die Titel der ersten Blogposts mit dazu geschrieben – erinnert sich vielleicht noch jemand an diese Beiträge?

     BlogErster EintragDatumBlogcharts
    1Spreeblick„Politik Pur“06.04.023
    2Basic Thinking„Mein erster Eintrag“03.02.031
    3law blog„Terminplan“26.03.036
    4Werbeblogger„Deutscher Markenverband: Kampagne umstritten“06.10.039
    5Chilloutzone.de„flash4 treecrashtraining“13.05.0416
    6Blogbar„Open“16.05.0412
    7Bild Blog„Frage zum Anfang“06.06.042
    8MC Winkels weBlog„Fieser Scheitel“28.07.0417
    9netzpolitik.org„FSFE & LinuxTag e.V.“10.08.045
    101x umrühren bitte„Einladung“17.09.0418
    11WordPress Deutschland„Willkommen“01.11.0420
    12Der Shopblogger„Spirituosen in Mehrwegflaschen“24.01.0514
    13Indiskretion Ehrensache„Wie alles beginnt …“28.01.0510
    14Nerdcore„Nerdcore Online!“21.03.058
    15bueltge.de„Allg – Update bueltge.de“24.07.0515
    16Beetlebum.de„my first blog :)12.08.0519
    17software guide„Willkommen auf der neuen Seite“13.09.057
    18GoogleWatchBlog„GoogleWatch“27.10.0513
    19Ehrensenf„Bill Gates & Steve Jobs; schöne U-Bahnhöfe; faule Demonstranten;“01.11.0511
    20Stefan Niggemeier„Turi & Fonsi“27.07.064

    Allerdings sind zwei Zahlen nicht eindeutig: am 24. Juli 2005 ist bueltge.de von einer Eigenbaulösung auf WordPress umgestiegen, wobei ich die älteren Beiträge auch über archive.org nicht finden konnte. (UPDATE: Die alte Seite gibt es hier, sie ist aber kein Blog gewesen, siehe Franks Kommentar) Bei MC Winkel bezieht sich der 28. Juli 2004 auf den Umbau des Tagebuchs (MC Winkel’s Diary) in ein echtes Weblog. Das Tagebuch besteht bereits seit dem 25. Januar 2001!

    kor.pngDer Zusammenhang zwischen dem Einfluss der Weblogs und dem Alter ist schwach positiv, aber nicht signifikant. Zumindest für diese Top 20 gilt also nicht, je älter desto weiter oben. Wie Bernd in den Kommentaren demonstriert, wird dieser Zusammenhang aber deutlicher, wenn man nicht nur den Rang, sondern auch das absolute Alter in Tagen für die Berechnung verwendet. Interessant ist aber, das bis auf ein Blog alle schon länger als zwei Jahre dabei sind. Außerdem (damit renne ich hier sowieso offene Türen ein, aber trotzdem) ist damit der Spruch von der Kurzlebigkeit des Internet zumindest für die Blogs klar widerlegt. Viele der erwähnten ersten Beiträge sind nach wie vor im Archiv des Blogs auffindbar. Und für die Fälle, wo das – meistens aufgrund des Wechsels zu einer anderen Blogsoftware oder einem anderen Bloghoster – nicht möglich ist, gibt es das Internet Archiv.

    Mein persönlicher Favorit: Thomas Knüwers Begründung seines Blogs als Neujahrsvorsatz 2005:

    Jawohl, mein Vorsatz für das Jahr 2005 lautet (mit etwas Verspätung vorgetragen): Ich will ein Blog starten und regelmäßig, möglichst täglich, bestücken.

    UPDATE: So sieht die Tabelle für die Top 30 aus:

     BlogErster EintragDatumBlogcharts
    1wirres.net„kanaldeckelficker mit fettansatz“11.07.0029
    2Spreeblick„Politik Pur“06.04.023
    3Basic Thinking„Mein erster Eintrag“03.02.031
    4law blog„Terminplan“26.03.036
    5fscklog„Weiteres zu X.3“26.03.0323
    6Werbeblogger„Deutscher Markenverband: Kampagne umstritten“06.10.039
    7Fontblog„Sonderzeichen Europa“12.02.0425
    8Dr. Web Weblog„Symbole, Buttons und Icons zum Download“14.03.0421
    8Slanted„Versus nun erhältlich“02.04.0424
    10Chilloutzone.de„flash4 treecrashtraining“13.05.0416
    11Blogbar„Open“16.05.0412
    12Bild Blog„Frage zum Anfang“06.06.042
    13MC Winkels weBlog„Fieser Scheitel“28.07.0417
    14netzpolitik.org„FSFE & LinuxTag e.V.“10.08.045
    151x umrühren bitte„Einladung“17.09.0418
    16WordPress Deutschland„Willkommen“01.11.0420
    17Der Shopblogger„Spirituosen in Mehrwegflaschen“24.01.0514
    18Indiskretion Ehrensache„Wie alles beginnt …“28.01.0510
    19Nerdcore„Nerdcore Online!“21.03.058
    20bueltge.de„Allg – Update bueltge.de“24.07.0515
    21Beetlebum.de„my first blog :)12.08.0519
    22software guide„Willkommen auf der neuen Seite“13.09.057
    23GoogleWatchBlog„GoogleWatch“27.10.0513
    24Ehrensenf„Bill Gates & Steve Jobs; schöne U-Bahnhöfe; faule Demonstranten;“01.11.0511
    25Politically Incorrect 05.01.0630
    26Stefan Niggemeier„Turi & Fonsi“27.07.064
    27Upload„Anstiftung zur Revolution“20.11.0627
    28Der Spiegelfechter„Willkommen beim Spiegelfechter“04.04.0722
    29deutsche startups„Jetzt geht’s los“14.04.0726
    30Bestatterweblog„Rittersporn für Kurt“16.04.0728



    Verwandte Artikel:
  • Die Geschichte der deutschsprachigen Blogosphäre als Zeitstrahl
  • OnlineStar: Hotelsoftware bei deutschen Usern beliebter als Facebook
  • Das Ende der Blogsphäre
  • Wie misst man den Erfolg eines Weblogs?

    maunaloamap2.jpgWie misst man den “Erfolg” oder die “Wichtigkeit” eines Weblogs? Wenn es um die Werbeanzeigen geht, spielen nach wie vor die Seitenaufrufe (Page Impressions) eine zentrale Rolle, obwohl es mittlerweile eine ganze Reihe alternativer Metriken gibt, mit denen man z.B. den Wert oder das Potential eines Weblogs erkennen kann. Angeregt durch die sehr lesenswerte Zusammenstellung von Avinash Kaushik, hier ein paar Möglichkeiten:

    1. Alter: Wie alt ist das Blog? In vielen Fällen ist das einer der wichtigsten Indikatoren, da er häufig ein Indiz dafür ist, wie wichtig einer Bloggerin das Blog ist. Bisherige Blogstudien haben gezeigt, das die “Sterblichkeit” junger Blogs sehr groß ist und sehr viele Blogger ziemlich bald die Lust und Motivation verlieren.
    2. Volumen: Hier wird einfach der Umfang eines Blogs gemessen. So wie es dicke Wälzer und dünne Broschüren gibt, haben manche Blogs viele Einträge, andere nur sehr wenige. Gemessen wird entweder die Zahl der Beiträge oder die Zahl der Zeichen, die insgesamt in einem Blog publiziert wurden. Allerdings ist die zweite Variante dann schwierig, wenn es sich um Blogs handelt, die viel mit Bildern, Audiodateien oder Videos arbeiten.
    3. Postfrequenz: Mit der Postfrequenz wird nicht die Gesamtzahl der Beiträge erfasst, sondern die Beiträge, die in einem bestimmten Zeitraum veröffentlicht werden, z.B. in der Einheit Beiträge pro Woche. Während das Volumen in der Regel stark vom Alter eines Blogs abhängt, ist die Postfrequenz in dieser Hinsicht neutral. Gezählt wird nur, was in einer durchschnittlichen Woche geschrieben wird.
    4. Aufmerksamkeit: Der klassische Indikator des Web 1.0 misst, wie häufig das Weblog abgerufen wird (Page Impressions) beziehungsweise wie viele Besucher das Blog anziehen kann (Visitors / Unique Visitors). Zu bedenken ist allerdings, dass auch die Abonnenten des RSS-Feeds eines Blogs zum Publikum zu zählen sind.
    5. Einfluss: Der Einfluss eines Blogs zeigt an, wie stark es in der Blogosphäre vernetzt ist, konkret: wie viele andere Blogs sich auf dieses Blog beziehen. Dabei gibt es mehrere Ansatzpunkte um dieses Maß, das sich sehr gut für eine netzwerkanalytische Interpretation eignet, zu operationalisieren: a) anhand der Blogrollverlinkung, die sich besonders gut eignet, Affinitäten abzubilden (“Ich mag Blog X”), jedoch sehr statisch ist und sich über lange Zeit kaum ändert (siehe metaroll), b) anhand der Beitragsverlinkung, also z.B. über Trackbacks oder “via”-Links (siehe Technorati) oder c) anhand der Benutzerbewegungen von einem Blog(beitrag) zu einem anderen (Traffic, früher: blogscout).
    6. Nähe und Betweenness: Neben dem Verlinkungsgrad sind auch noch zwei weitere netzwerkanalytische Maßzahlen denkbar. Die Nähe (closeness) misst, wie weit ein Blog zu den anderen Blogs der Blogosphäre (oder auch: der interessierenden Subcommunity) entfernt ist und mit der Betweenness-Zentralität erfasst man, wie wichtig die Position eines Blogs in einem Blognetzwerk ist, um zwischen anderen Blogs zu makeln.
    7. Kommentarintensität: Mit diesem Indikator wird erfasst, wie sehr es einem Blogger gelingt, seine Leser über die Kommentarfunktion in ein Gespräch zu verwickeln. Außerdem ist eine hohe Kommentarintensität – gemessen als Anzahl der Kommentar pro Post – oftmals ein Indiz dafür, dass die Blogposts sehr kontrovers formuliert sind und viele Leser zum Widersprechen motivieren (vgl. etwa die Posts von Pharyngula)

    Alle diese Indikatoren machen allerdings nur wenig Sinn, wenn sie für ein einzelnes Blog berechnet werden. Erst im Vergleich mit den Werten für andere Weblogs lassen sich die einzelnen Werte in ihrer Bedeutung interpretieren. Oder aber man betrachtet die Entwicklung der Werte für ein einzelnes Blog über die Zeit hinweg und erhält so einen Eindruck davon, ob und in welchem Maße ein Blog an Einfluss etc. gewinnt.



    Verwandte Artikel:
  • Weblogs in den Printmedien
  • Abbildung: Die Genealogie der Weblogs
  • Warum wir eine Arbeitsgemeinschaft Blog- und Communityforschung brauchen
  • Puntila 2.0 – die neuen Gutsherren des WWW

    ‘s wird Zeit, daß deine Knechte dir den Rücken kehren.
    Den guten Herrn, den finden sie geschwind, wenn sie
    erst ihre eigenen Herren sin
    d (Bert Brecht)

    Auf den ersten Blick konnte man in den letzten Monaten eine eigentlich ganz positive Öffnung der Printverlage und Medienhäuser in Richtung Weblogs beobachten. Oberflächlich könnte man das in die Richtung deuten, dass die Medienhäuser die Zeichen der Zeit begriffen haben: gerade bei Wissensthemen, Nischenthemen oder Regionalthemen lassen sich Printerzeugnisse sinnvoll mit Web 2.0-Elementen verbinden. Mit Blicken in die Werkstätten von Wissenschaftlern, mit Videoclips oder -tagebüchern und geolokalisierten Informationen lassen sich darüber hinaus womöglich auch noch neue Leser für ein Medium gewinnen.

    Aber warum hört man dann in der Blogosphäre immer wieder Negatives von diesen Unterfangen? Weil viele Verlage die Blogger nach wie vor nicht als gleichberechtigte Partner akzeptieren, sondern als eine Art künstlich herstellbare Power-User, die einer Plattform Inhalte liefern, ohne dafür entsprechend entlohnt zu werden. Zuerst werden geradezu blogtrunken die neuen Möglichkeiten des Mitmachwebs als Zukunft der Medien gelobt; wenn der Rausch verflogen ist, bleibt davon nur die Fehlannahme einer natürlichen intrinsischen Motivierbarkeit von Bloggern (auch bekannt als Dabeisein-ist-alles-Fehlschluss). Statt 150 Euro pro aufwändig recherchierten und gut geschriebenen Blogbeitrag gibt’s ein paar freundliche Dankesworte und vielleicht ab und zu einmal eine symbolische Prämie oder ein T-Shirt mit Logo. Und in Wirklichkeit gehören die öffentlich bemitleideten 300-Euroblogger gar nicht mal zum unteren Rand.

    Das Problem dabei: auf diese Weise bekommen die Verlage nur die Blogger, die sie verdienen. Und nicht nur das. Wenn die anfängliche Euphorie verflogen ist, bloggen die Blogger dann auch nur so, wie es der Verlag verdient hat. Die sinkende Qualität hat dann verständlicherweise zur Folge, dass die Vorurteile der Web 2.0-Skeptiker in der Printwelt voll und ganz bestätigt werden: “Siehste, hab ich immer gesagt, dass dieses Mitmachweb nichts taugt.” Doch ich glaube nicht unbedingt, wie es bei Don Alphonso immer wieder durchscheint, dass hier auf Seiten der Medienhäuser eine bewusste Strategie zugrunde liegt. Bis nicht das Gegenteil einwandfrei bewiesen ist, würde ich an dieser Stelle Hanlon’s razor gelten lassen: “Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity.”

    Aber wie kommt man aus diesem Teufelskreis aus nutzergenerierter Mängelware und verlagsgenerierter Abwertung heraus? Die folgenden Lösungsvorschläge sind zugegebenermaßen nicht besonders innovativ. Am sinnvollsten für die Qualitätssicherung von Weblogs erscheint mir tatsächlich das Modell des festangestellten Bloggers, der in allen wesentlichen Rechten und Pflichten dem Verlag gegenüber einem Journalisten gleichgestellt ist. Oder man setzt wirklich auf Freiwilligkeit und lässt die Leute schreiben, muss dann aber akzeptieren, dass man nicht als Informationsproduzent wahrgenommen, sondern als Anbieter einer Plattform (wenn man sich nicht gleich auf das Aggregieren von Informationen beschränkt, wie es das Wissenschafts-Café derzeit mustergültig vormacht). Die dritte Option wäre – schön nachzulesen bei Kooptech – entweder eine faire Beteiligung der Blogger an den mit Hilfe ihrer Inhalte erzielten Werbeeinnahmen (das Glam-Modell: “Glam finds the good blogs and creates a relationship. It features good content from them on Glam and also sells ads on the blogs, sharing revenue with and supporting those bloggers.”) bzw. die Möglichkeit, selbständige Einnahmen mit ihren Inhalten zu generieren (genannt wird Infopirat).

    Völlig unmöglich ist dagegen, was der Wissenschaftsblogger MattiDominikus Herzberg in seinem Blog denkspuren berichtet:

    Dann kam der Vertrag vom Galeristen mit der Post. Da stand zum Beispiel, er solle doch nach Möglichkeit an jedem Werktag ein Bild malen. Wie das?! Er malte ein Bild im Monat, manchmal sogar zwei oder drei, wenn es sehr gut lief vier oder fünf — aber Fließbandkreativität? Seltsam, das klang alles so anders als im Gespräch mit dem Galeristen. Der Künstler verstand nicht viel von Juristerei, also zog er einen Anwalt zu Rate. Und der sagte ihm: “Laß die Finger von dem Vertrag. Der Galerist erhält alle Rechte an deinen Bildern, sie gehören dir nicht mehr. Er darf deine Bilder sogar übermalen, wenn er Lust dazu hat. Und übrigens: Gegen Diebstahl und Vandalismus musst du deine Bilder selber versichern. Ich kenne keine Versicherung, die das für ‘ein paar Euro’ macht.”



    Verwandte Artikel:
  • Die Isarrunde fast live
  • Von Infovöllerei und Infogourmets
  • Kostenloser Ratgeber für Journalisten 2.0
  • Die Facebookisierung von Xing

    Es war ja nur eine Frage der Zeit, wann Xing einen persönlichen Newsfeed (“awareness feed”) einbauen würde, wie man ihn aus Facebook kennt:

    xing.png

    Aber ist das wirklich notwendig? Und vor allem: in dieser Form? Denn nicht nur sind, wie Robert bemerkt, die Möglichkeiten bei Xing noch sehr eingeschränkt, diesen Feed zu persönalisieren, indem man einstellt, welche Nachrichten einem wie wichtig sind und vor allem: über welche Kontakte man besonders gut informiert bleiben möchte. So sieht das z.B. bei Facebook aus:

    facebook.png

    Zudem werden nur Xing-interne “Nachrichten” angezeigt: der Feed bleibt also selbstreferentiell, während bei Facebook über diverse Plugins auch externe Ereignisse und Informationen wie zum Beispiel Twitter-Microbloggings angezeigt werden können.

    Ich kann nicht ganz nachvollziehen, wieso Xing sich nun verstärkt darum bemüht, möglichst Facebook-ähnlich zu werden (bevor Facebook wirklich im europäischen Markt Fuß fassen wird), anstatt sich auf die Features zu konzentrieren, in denen es wirklich etwas besonderes zu bieten hat (zudem sich die Debatte um das neue Feature in eine ähnliche Richtung zu bewegen scheint wie anlässlich Facebooks Newsfeed):

    • Da wäre zum einen so etwas wie ein Seriositätsbonus, denn bislang war Xing vor allem ein einigermaßen leicht bedienbares Adressbuch, mit dessen Hilfe gerade Freiberufler oder Jobwechsler ihre Kontakte aufrechterhalten konnten. Bislang gibt es auf Xing noch keine Piraten, Zombies und virtuelle Maßkrüge.
    • Auf der anderen Seite gehört OpenBC/Xing zu den Pionieren, was die alltagspraktische Umsetzung des Netzwerk- oder Smallworlddenkens angeht. Die Anzeige der unterschiedlichen Verbindungspfade zu einer Person ist schlicht genial. Umso weniger ist verständlich, dass man sich anscheinend nur wenig Gedanken darüber macht, wie man das Potential, das darin steckt, verwirklichen kann. Ich denke z.B. an eine echte Möglichkeit, das eigene Xing-Kontaktnetzwerk zu durchwandern (“surfing the social graph”), an die gewichtete Anzeige der eigenen Kontakte nach der Interaktionshäufigkeit bzw. den Profilbesuchen oder anhand netzwerkanalytischer Einflussmaße.


    Verwandte Artikel:
  • Ertappt
  • StudiVZ, schülerVZ und meinVZ dominieren den Community-Buzz der Blogosphäre
  • Die walled gardens öffnen sich ein Stückchen: Google, Facebook und Plaxo engagieren sich für Datenportabilität