Daily Archive for Dezember 28th, 2007

Warum Twittern?

twitter.pngDan York stellt in seinem Blog “Disruptive Conversations” eine – wie sollte es auch anders sein – Zehnpunkteliste der Gründe vor, warum er twittert, bzw. warum es sich lohnen kann, zu twittern. Einige der Punkte beziehen sich auf die Möglichkeit, über Twitter zu senden, andere auf das Lesen von Tweets und einige wenige auf die Möglichkeiten, über dieses Medium zu interagieren.

  1. Nachrichten: York nennt als aktuelles Beispiel die Ermordung der pakistanischen Politikerin Benazir Bhutto, von der er zuerst in einem Twitterpost erfahren hat (siehe zur Medienkomplementarität von Twitter und anderen Nachrichtenquellen auch hier). Wenn ich mir die Twitterfeeds meiner ca. 200 Kontakte so ansehe, sind tagesaktuelle Nachrichten eher in der Unterzahl, aber ab und zu ist auch mir schon etwas ähnliches passiert, gerade bei Nachrichten aus dem Tech-/Web2.0-Bereich. Ich hatte z.B. von dem Facebook/MS-Deal zuerst auf Twitter gehört. Gerade wenn es um das Neueste in der Blogosphäre geht, könnte das Twittern als “The Social Pulse of life” in Zukunft das RSS-Lesen fast überflüssig machen.
  2. Wissensnetzwerk: Aber Twitter kann auch als kollektives Wissensnetzwerk verwendet werden: auf manche Fragen bekommt man (mehr oder sinnvolle) Antworten. Das hängt aber sehr stark davon ab, wieviele der eigenen Kontakte an dem entsprechenden Zeitpunkt online sind sowie natürlich von der Komplexität der Frage.
  3. Virtueller Wasserkühler: Damit meint York, dass über Twitter “the fabric that binds together the stories of our colleague’s/friend’s lives” erfahrbar wird. Das Aufschnappen von Tweets über Lieblingsweine, gute Bücher, neue Gadgets führt dazu, dass man etwas über seine Twitter-Mitmenschen erfährt und das Gefühl hat, an ihrem Leben teilzunehmen. Gerade für digitale Heimarbeiter könnte das ein Ersatz für Küchen- und Flurgespräche sein.
  4. Auf dem Laufenden bleiben: Twitter ermöglicht es zudem, dass man auf relativ einfachem Weg auf dem Laufenden bleibt, was den eigenen Freundeskreis angeht. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass dieser Freundeskreis einigermaßen umfänglich im Twitterspace abgebildet ist.
  5. Reisetagebuch: Besonders spannend (und für die Kontakte lesenswert) sind kurze Reisenotizen, die über Handy oder mobile Webzugänge unterwegs abgeschickt werden.
  6. Konferenznachrichten: Eng damit verbunden ist die Anwendung von Twitter als Konferenznachrichtenkanal. Da auf Tech-Konferenzen oder Barcamps viel getwittert wird und es zum Teil sogar eigene Kanäle dafür gibt, kann man sich über sehr gut über Parallelveranstaltungen informieren und rein theoretisch sogar über Backchannel-Kommentare daran teilnehmen. Der Traum von der gleichzeitigen Anwesenheit an mehreren Orten rückt damit wenigstens ein Stückchen näher.
  7. Marketinginstrument: Durch das Posten von URLs zu eigenen Blogbeiträgen lässt sich Traffic von Twitter auf das eigene Blog lenken. Siehe auch diesen Beitrag von Klaus Eck über die Verwendung von Twitter für das persönliche Reputationsmanagement.
  8. Lerninstrument: Über die Vielfalt der Interessen und Beobachtungen der eigenen Twitterkontakte hat man die Chance fast täglich etwas dazuzulernen.
  9. Spaß: Ein großer Teil der Tweets sind eher humoristische Kommentare. Twitter kann also auch Spaß machen, wenn man nicht zuviel Percolat auf einmal verschluckt.
  10. Bescheidenheit: Durch die Zeichenbegrenzung lernt man sich kurzzufassen, “to distill your message down into something short and sweet”. Twitter als Art meditative Haiku-Kommunikation?

Was ist mit Twitter noch möglich? Twitter als künstlerischer Ausdruck? Twitter als Medium der “Presentation of Self in Everyday Life” oder aber als Rollenspiel? Als Soziologe denke ich natürlich sofort an die Möglichkeit, Twitterkontakte und -kommunikationen z.B. netzwerkanalytisch auszuwerten. Fallen euch noch weitere sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten ein?

Siehe zu diesem Thema auch:



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