Gruscheln als Alternative zum Nachrichtenkonsum?

Noch ein kleiner Nachschlag zur Print-versus-Online-Debatte: Kalle Jungkvist, Chefredakteur der schwedischen Tageszeitung Aftonbladet, sieht nicht in anderen Printprodukten die scharfsten Konkurrenten der eigenen Onlineausgabe, sondern erstaunlicherweise in Facebook:

When Aftonbladet.se recently did a focus group with twentysomethings, the main competitor in terms of time to Aftonbladet.se was said to be Facebook. The choice for young Internet users was to, more or less, aimlessly surf Aftonbladet or Facebook for a while.

Jeff Jarvis ist da etwas zurückhaltender und sieht Facebook nicht als Konkurrenz für Tageszeitungen, sondern vielmehr als zusätzlichen Vertriebskanal für Nachrichten:

If I were making Facebook applications for news organizations now, I wouldn’t be making quizzes and such fripperies. I’d be figuring out how to get news that matters to you in your news feed. I’d be finding ways to tie you with other people who share your interest and know what you want to know. I’d find ways to enable you to recommend more news to your friends.

Seen this way, Facebook isn’t a competitor for a newspaper. It’s just another place to help your community.

Irgendwie haben beide Recht. Natürlich ist Facebook (oder auch Google) kein direkter Konkurrent für eine Tageszeitung, wenn es um den Abruf von Nachrichten geht – wie edenstrom es so schön sagt: “Googling for ‘news’ gets you nowhere.” Aber wenn man allgemeiner auf die aufmerksamkeitsökonomische Zeitkonkurrenz sieht (Stichwort: “Umverteilung von Medienzeitbudgets”), dann könnte ein Social Network tatsächlich als Alternative zu einer Tageszeitung wahrgenommen werden. Je ähnlicher die Aktivitäten wahrgenommen werden, die sich auf die unterschiedlichen Medienzeitbudgets beziehen, desto realistischer ist die Substitutionsthese. Wenn es also wirklich nur um das “aimlessly surfing” geht, kann es tatsächlich egal sein, ob man in einem sozialen Netzwerk oder einer Onlinezeitung unterwegs ist.



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  • 4 Responses to “Gruscheln als Alternative zum Nachrichtenkonsum?”


    1. 1 xconroy

      Für aktuelle Nachrichten aus der Großen Weiten Welt™ brauche ich tatsächlich keine Zeitung (und auch kein TV). Sie bietet mir keinen Informationsvorteil gegenüber dem Web, weil aktuelle Meldungen meistens Agenturmeldungen sind. Und da ist das Netz nun mal schneller (und wenn man halbwegs mit Yahoo Pipes umgehen kann auch effektiver). Wie das jeder für sich managt, also ob via Pipes, Facebook o.ä. ist ja unterschiedlich.

      Mir ist meine Zeitung vor allem als Lokalinfo wichtig. Aktuelle Entwicklungen in meiner Stadt (und meinem Stadtteil), aber auch Hintergründe und Meinungen dazu kriege ich halt nicht über Digg und Co.;-).

      Es gibt also durchaus Bereiche, die von der Zeitung (noch) besser bedient werden können als vom Web. Aber die großen Schlagzeilen gehören eher nicht dazu. Dazu müßten die ehrwürdigen Schlachtschiffe sich erst mal vom Diktat der Agenturmeldungen losreißen und mehr Anteile eigenen Inhaltes produzieren, die sie weniger austauschbar machen. Und das sehe ich im Moment nicht.

    2. 2 Benedikt

      Für mich gilt eher “Mir wäre meine Zeitung vor allem als Lokalinfo wichtig.” Denn der Lokalteil meiner Zeitung ist von derart bodenloser Qualität, dass ich die Lektüre aus Rücksicht auf meine nähere soziale Umgebung aufgegeben habe ;-)

      Was die aktuellen Nachrichten, also die klassischen News angeht, sind die Ticker oder Aggregatoren wie Google-News sicher tendenziell besser als die Papierausgaben. Was mir im Internet doch noch etwas fehlt: intelligente politische Kommentare. Aber das ist kein Format, das prinzipiell an Printmedien gebunden ist.

    1. 1 Social Network - Print vs. Online « Sanny85’s Weblog
    2. 2 Social Network - Print vs. Online « Tapetenwechsel 2008

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