Daily Archive for November 21st, 2007

Neurowissenschaftliches Surfen

Bitte nicht fragen, was das mit Feng Shui zu tun haben soll, aber unter dem Namen “Feng Gui” gibt es einen Dienst, der auf Grundlage der Neurowissenschaften (das kommt natürlich immer gut) aus Webseiten oder hochgeladenen Bildern eine Heatmap erstellt. Darauf kann man dann erkennen, welche Elemente einem hypothetischen Nutzer besonders ins Auge fallen:

* The ViewFinder Heatmap service creates a Saliency attention heatmap.
The salience map creation is based upon neuro-science studies of visual Attention, Perception and Cognition of humans.
Or in English: What people are looking at?
* It captures a snapshot image of the requested website and generates a visual attention heatmap.
* Heatmap – from dark blue through green to red, describing the temperature heat of the image heated by human eyes.

Hier als Test eine Heatmap für dieses Blogs:

Heatmap viralmythen

Also: Die Nutzer gucken vor allem auf das “Hard Bloggin’ Scientist”-Logo in der oberen rechten Ecke. Sehr interessant sind auch die beiden Sinus-Milieus A12 (“Konservative”) und B1 (“Etablierte”), während B12 (“Postmaterielle”) und C12 (“Moderne Performer”) weniger spannend sind – klar, meine Leser kennen diese Milieus aus der eigenen Anschauung, oder? Gerne wird auch mein Portraitfoto angesehen, das Creative Commons-Button sowie der Titel des Blogs. Den habe ich aus diesem auch ziemlich groß geschrieben.

Dasselbe noch einmal für mein Küchenblog:

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Hier gucken die Leser zunächst auf den Genussblogs-Button, dann auf das Logo des gerade angelaufenen “They Go Really Well Together”-Blogevents. Außerdem auf die Headergrafik und, das überrascht mich doch etwas, auf die Leerfläche um den Titel herum. Warum gerade dahin? Als Entspannung? Wo der neurowissenschaftliche Algorithmus die Nutzer nicht hinblicken lässt: auf die beiden Menupunkte “Autoren” und “FAQ”, doch gerade die beiden gehören zu den meistaufgerufenen Seiten. Trotzdem: schönes Spielzeug.

(via Endl.de + Dr. Web)



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    Als kurzer Nachtrag zu diesem Beitrag über Jugendszenen:

    Wunderbare Bilder auf “Your Scene Sucks

    (via Webadventures + Nerdcore)



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    Einer der schönsten Themen der Soziologie, mit dem man garantiert ein eingeschlafenes Seminar wieder zum Mitdenken bringt, ist die Milieu- oder Szenenforschung. Dazu gehören etwa die Sinus-Milieus (oder die “Kartoffelgrafik”), in der die deutsche Bevölkerung auf der vertikalen Achse nach den big three (Bildung, Beruf, Einkommen) geschichtet sind und auf der horizontalen nach der “Grundorientierung” von traditionell bis postmodern:

    sinus.png

    Auch die Milieuforschung von Gerhard Schulze (“Die Erlebnisgesellschaft“) eignet sich immer wieder gut für spannende Diskussionen nach dem Motto: Sag mir, welches Bild auf deinem Klavier steht, und ich sage dir, welche Musik du hörst usw. Schulze unterscheidet im Wesentlichen fünf Milieus: Niveaumilieu (“Bildungsbürger”), Harmoniemilieu (“Volksmusik”), Selbstverwirklichungsmilieu (“Hedonisten”), Unterhaltungsmilieu (“Computerspiele” und “Mallorca”), Integrationsmilieu (Mischung zwischen den anderen vier Milieus).

    szenenkat.pngJetzt ist mit den Jugend-Szenen ein drittes Konzept dabei, eine beachtliche Karriere in der öffentlichen Wahrnehmung zu erleben (siehe die Berichterstattung auf heise, Trierer Medienblog, netzpolitik.org, Spiegel Online und Der Westen). Auf der von Daniel Tepe betreuten Seite jugendszenen.com (Blog), die vom Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie an der Universität Dortmund (Ronald Hitzler) unterstützt wird, findet man einen umfangreichen Katalog von Szenen in Deutschland von der Antifa bis zur Warez-Szene. Zunächst zur dort verwendeten Definition von Szenen:

    Auf theoretischer Ebene definieren wir eine Szene als ein Netzwerk von Akteuren, die bestimmte materiale und mentale Formen der kollektiven Selbst-Stilisierung teilen, um diese Teilhabe wissen, und die diese Gemeinsamkeiten kommunikativ stabilisieren, modifizieren oder transformieren. Weit weniger scheint uns dabei also Gleichaltrigkeit das wesentliche Vergemeinschaftungskriterium zu sein als vielmehr die (relative) ‘Gleichartigkeit’ von Interessen, die in der Regel teilzeitlich begrenzt relevant und ‘ausgelebt’ werden (Quelle).

    Jede dieser Szenen wird mit einer kurzen historischen Einführung vorgestellt, dann folgen einige Zahlen sowie Anmerkungen zum konstitutiven Kern der Szene (“Fokus”), zu Einstellung, Lifestyle, Symbolen, Ritualen, Events, Treffpunkten, Medien, Strukturen und Beziehungsmustern vorgestellt. Abschließend gibt es dann noch Verweise auf weiterführende Literatur oder Webseiten. Besonders bemerkenswert: Die einzelnen Szenenbeschreibungen kann man kommentieren, außerdem wurden sie unter einer Creative Commons-Lizenz ins Netz gestellt. Eine spannende Art, soziologische Forschung im Internet zu präsentieren.



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