Fachzeitschriftsblogger gesucht

Was mir als ketzerischer bzw. nicht ganz ernst gemeinter Gedanke zu Marcs Lob der SAGE-Pseudoöffnung durch den Kopf geht: Sollte man nicht dankbar sein für jeden Fachverlag, der seine Texte nicht ins Internet stellt? Schließlich ist das Problem nicht, das man sich als Wissenschaftler langweilt, weil man nichts zu lesen hat, sondern im Gegenteil: es ist immer viel zu viel!

Hier könnte eine Aufgabe von Wissenschaftsblogs liegen: in der Selektion und Bewertung von Informationen. Die RSS-Feeds der akademischen Zeitschriften sind zum Teil grottenschlecht, so dass man nicht erkennen kann, wer den Artikel geschrieben hat und ob es ein Essay oder eine Rezension ist. Fachzeitschriftsblogger wären eine interessante Einrichtung, die neu erscheinende Zeitschriften kurz zusammenfassen – und das natürlich nicht in dem üblichen Ich-fasse-einen-80.000-Zeichen-Text-so-weit-zusammen-dass-er-in-sechs-Zeilen-passt-und-nur-noch-aus-abstrakten-Substantiven-besteht-Abstractgeholze. Also eher locker, flapsig – unplugged eben. Jan Schmidt hat es in diesem Beitrag zur neuen JCMC schon einmal vorgemacht: Titel, Abstract und Kurzkommentar.

Und jetzt kommt sogar noch eine konkrete Idee, wie man das machen könnte (Marc, bitte zuhören): Alle Wissenschaftscafé-Blogger könnten sich auf einen Tag, mit dem Sie Beiträge dieser Art kennzeichnen, einigen. Dann bräuchte man nur noch die entsprechende Kategorie aufrufen oder abonnieren und erhielte alle möglichen Notizen zu neu erscheinenden Zeitschriften – intelligente Aggregation. Ich könnte dann endlich ruhigen Gewissens all diese Zeitschrifts-RSS-Feeds abbestellen, die meinen Feedreader zur Zeit so belasten.



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  • 4 Responses to “Fachzeitschriftsblogger gesucht”


    1. 1 Christiane Schulzki-Haddouti

      Die Idee ist hervorragend – würde vorschlagen, das so ähnlich wie Brijit zu machen.

    2. 2 Björn

      Natürlich führt kein Weg umhin, dass die Journale selbst vernünftige feeds erstellen. Einige machen das ja auch z.B. PNAS, oder American Naturalist.

      Bei Zehntausenden von Fachzeitschriften ist das aber auch keine Lösung. Es gibt allerdings schon eine ähnliche Idee:
      “Bloggers for Peer-Reviewed Research Reporting”

      hier ist der link:

      http://bpr3.org/?p=52

    3. 3 Benedikt

      @Christiane: Danke für den Hinweise, kannte ich noch nicht. Ich dachte aber eher an einen dezentralen Dienst (vielleicht könnte man so etwas auch über noserub realisieren?), denn sonst hat man nur eine weitere Seite, bei der man sich anmelden muss und viele andere ebenfalls dazu überreden muss, damit das sinnvoll wird.

      @Björn: Tja, bei uns Soziologen siehts z.T. ziemlich düster aus, was die Lesbarkeit von Feeds angeht. Das BPR3-Projekt kenne ich schon, ich hatte auch schon etwas darüber gebloggt. Was ich meine, ist aber eher eine ganz kurze Information, der ich entnehmen kann, welche Artikel einer Zeitschrift lesenswert sind. So à la: “In diesem Artikel bringt XY wieder sein altbekanntes Argument von der Vervielfältigung der Modernisierung. Braucht man nicht lesen, wenn man ZZ gelesen hat”.

    4. 4 Fischer

      Ich hatte mir auch schon überlegt, ob ich sowas mal regelmäßig mache. Allerdings sind bei Naturwissenschaftlern die Artikel so speziell, dass eine derartige Berichterstattung nur bei sehr wenigen Journals spannend ist.

      Fazit: Mit Nature, PNAS oder Science könnt man’s machen (werde ich in absehbarer Zeit wohl auch, jeweils ne kurze Besprechung der neuen PNAS), aber die haben im Grunde auch gute Feeds.

      Bei JACS oder der Angewandten hört’s dann auch schon auf… Es läuft darauf hinaus, dass man über Sachen schreibt, die eh schon jeder liest.

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