Daily Archive for November 20th, 2007

Kurze: Leseschwäche, Onlinewerbung, Sterbekarten, Blogsterben und Projektemacher

ep2_outland_11a_deaths.jpgDie Zukunft ist jetzt (Aus der Selbstbeschreibung des Startups 23andMe, gefunden bei René bzw. Wired): “Welcome to 23andMe, a web-based service that helps you read and understand your DNA. After providing a saliva sample using an at-home kit, you can use our interactive tools to shed new light on your distant ancestors, your close family and most of all, yourself.”

Thomas Pany behandelt in seinem Telepolis-Beitrag “Ausgelesen” die Studie “To Read or not to Read” (pdf) des National Endowment for the Arts, die zu dem Ergebnis kommt, dass Kinder und Heranwachsende in den USA immer weniger und immer schlechter lesen. Pany hinterfragt die Ergebnisse und zweifelt daran, dass die NEA-Verantwortlichen “selbst so genau hinhören und hinschauen und offen sind für andere Botschaften als die klassische des Lesenverlernens: Die Stapel in den Buchhandlungen sind nicht kleiner geworden. Und das Textangebot im Netz unendlich. Vielleicht lesen wir heute anders.”

Klaus Eck ist immer noch an dem Thema Werbung im Web 2.0 dran und zeigt sich optimistisch, dass sich die Reichweitenmetriken nach und nach ändern werden, so dass die eigentliche Stärke und Besonderheit der Social Networks, die lange Verweildauer, stärker zum Tragen kommt: “Im Verhältnis zu den Giganten wie Google und Yahoo verdienen Web 2.0 Seiten erst einen Bruchteil des Geldes. Das wird sich von selbst ändern, denn die Vermarktung läuft gerade erst an.” Auch Werkanon widmet sich dem Thema Werbung im Internet und prophezeit: “Wenn die Hersteller von Konsumgütern das Internet fest ins Herz schließen, dann wird es gefährlich für die Zeitungen, vor allem für regionale Blätter.”

Statistisch gesehen sterben die meisten Menschen im Bett. Ergo: lieber mal eine Nacht durchmachen, der Gesundheit wegen. Ein alter Einführungsvorlesungsgag. An welchen Orten man sich tatsächlich nicht aufhalten sollte, sieht man auf diesen geheimnisvollen “Death Maps” (siehe Bild), allerdings momentan nur für Half Life 2 und noch nicht fürs Real Life. (via Information Aesthetics)

Ab dem 26.11.2007 wird es Jeriko One nicht mehr geben.” Einer der lesenswertesten Blogger lässt das Bloggen sein. Das ist zwar ein Verlust, aber mir leuchtet nicht ganz ein, wieso man davon ausgehen sollte, dass Bloggen so eine Art “Lebenslänglich für Digerati” sein sollte. Ein Blog ist ein Projekt und wenn sogar Ehen oder Jobs keine Entscheidungen für die Ewigkeit mehr sind, warum sollte es das Führen eines Weblogs sein? Irgendwann ist das Tagebuch eben voll.

Und abschließend noch ein Lesetipp, der recht gut zu dem eben geschriebenen passt: Der von Markus Krajewski herausgegebene Sammelband “Projektemacher. Zur Produktion von Wissen in der Vorform des Scheiterns“. Grandios.



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    Was mir als ketzerischer bzw. nicht ganz ernst gemeinter Gedanke zu Marcs Lob der SAGE-Pseudoöffnung durch den Kopf geht: Sollte man nicht dankbar sein für jeden Fachverlag, der seine Texte nicht ins Internet stellt? Schließlich ist das Problem nicht, das man sich als Wissenschaftler langweilt, weil man nichts zu lesen hat, sondern im Gegenteil: es ist immer viel zu viel!

    Hier könnte eine Aufgabe von Wissenschaftsblogs liegen: in der Selektion und Bewertung von Informationen. Die RSS-Feeds der akademischen Zeitschriften sind zum Teil grottenschlecht, so dass man nicht erkennen kann, wer den Artikel geschrieben hat und ob es ein Essay oder eine Rezension ist. Fachzeitschriftsblogger wären eine interessante Einrichtung, die neu erscheinende Zeitschriften kurz zusammenfassen – und das natürlich nicht in dem üblichen Ich-fasse-einen-80.000-Zeichen-Text-so-weit-zusammen-dass-er-in-sechs-Zeilen-passt-und-nur-noch-aus-abstrakten-Substantiven-besteht-Abstractgeholze. Also eher locker, flapsig – unplugged eben. Jan Schmidt hat es in diesem Beitrag zur neuen JCMC schon einmal vorgemacht: Titel, Abstract und Kurzkommentar.

    Und jetzt kommt sogar noch eine konkrete Idee, wie man das machen könnte (Marc, bitte zuhören): Alle Wissenschaftscafé-Blogger könnten sich auf einen Tag, mit dem Sie Beiträge dieser Art kennzeichnen, einigen. Dann bräuchte man nur noch die entsprechende Kategorie aufrufen oder abonnieren und erhielte alle möglichen Notizen zu neu erscheinenden Zeitschriften – intelligente Aggregation. Ich könnte dann endlich ruhigen Gewissens all diese Zeitschrifts-RSS-Feeds abbestellen, die meinen Feedreader zur Zeit so belasten.



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