Wissensblogs gestartet

wissenslogs.pngNach dem interdisziplinären Gehirnforschungsblogportal “Brainlogs” (siehe auch meine Anmerkungen dazu) hat der Spektrum-Verlag (Holtzbrinck-Gruppe) nun die “Wissenslogsauf den Weg gebracht. Unter dem Claim “Wissenschaft unplugged” bloggen hier etwa ein Dutzend (auch scheint es keine Übersicht zu geben, auf der man alle BloggerInnen sehen kann) Wissenschaftler und Journalisten, darunter auch Lars Fischer, sicher dem ein oder anderen aus dem Fischblog bekannt – dem besten naturwissenschaftlichen Weblog in Deutschland.

Unsere Blogger – Wissenschaftler, Journalisten, Praktiker – sind Meinungsbildner auf ihren Gebieten. Sie suchen sich ihre Themen selbst und sind ungebunden darin, was und wie sie schreiben. Wissenslogs ist damit authentisch, ungefiltert und eröffnet ungewöhnliche Perspektiven: Science unplugged eben.

Das ist alles gut so und jeden Versuch, das Medium Weblog für die Wissenschaft und Wissenschaftspopularisierung zu nutzen, kann ich nur von Herzen begrüßen (und ich fühle mich auch durch den Platz in der Wissenslogs-Blogroll geehrt).

Aber eines verstehe ich aber nicht: was ist daran unplugged? Der Begriff hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch (und auch im Duden) eingebürgert als Beschreibung für Popkonzerte, bei denen die Bands auf ihre Verstärker verzichten und in intimerem Rahmen auf akustischen Instrumenten spielen – also eine Art Modernisierung der bildungsbürgerlichen Tradition des Kammerkonzertes. Wenn es ein Medium gibt, in dem einzelne Personen ihre Stimmen elektronisch verstärken, dann sind das wohl Weblogs. Und der intime Rahmen stimmt in diesem Fall bei einer Webseite mit deutlich über einer Million Page Impressions im Monat auch nicht so richtig (bezogen auf das gesamten wissenschaft-online-Portal). Ich bitte um Hinweise: Was ist Wissenschaft unplugged?

(via turi2)



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  • 7 Responses to “Wissensblogs gestartet”


    1. 1 Sprachspielerin

      Ich nehme mal stark an, dass so etwas wie ‘unzensiert, authentisch, direkt’ gemeint ist, ohne Vermittlung vom ‘Fachmann für Kenner’, vielleicht ist damit auch ein wenig die sprachliche Gestaltung gemeint: ‘nicht fachsprachlich, sondern direkter, alltagssprachlicher’…
      Abgesehen davon finde ich den Begriff aber auch nicht besonders gelungen…

    2. 2 Benedikt

      Zum Thema MTV-Unplugged könnte man übrigens auch Adornos Überlegungen zur Kammermusik in seiner Einleitung in die Musiksoziologie bemerken:

      “Unter denen, die sich musikalisch dünken, gilt es für ausgemacht, die Kammermusik sei die höchste musikalische Gattung. Dies Convenu dient sicherlich in erheblichem Maß der elitären Selbstbestätigung [...] Daß die traditionelle Kammermusik höher stehe als die große Symphonik, nur weil sie auf Pauken und Trompeten verzichtet und weniger überredet als die Symphonik, überzeugt nicht.” Schön, nicht?

      Wahrscheinlich hast du Recht, was die Überlegungen betrifft, die für die Namensgebung Pate standen. Nur stoße ich mich immer wieder an dieser merkwürdigen Idee, Authentizität und Vermittlung wären Gegenteile. Ursprünglich ist etwas authentisch, weil es in seiner Echtheit verbürgt ist. Also geht es schon in der Wurzel nicht ohne Vermittlung. Vielleicht melden sich die Wissenslogger auch noch mit einer Erklärung zu Wort. Ich bin gespannt.

    3. 3 Marc | Wissenswerkstatt

      Zunächst nehme ich mal an, daß Du, Benedikt, ohnehin weißt, daß diese Selbstbeschreibung mit großer Wahrscheinlichkeit keinem der beteiligten Blogger, sondern bestenfalls einem Wissenschaftsjornalisten aus der PR-Feder gefloßen ist.

      Ich bin letzte Woche auch über den Begriff gestolpert, fand ihn aber nach einigem überlegen gar nicht sooo furchtbar. Denn das “unplugged”, der Musikwelt entliehen, soll ja offenbar zum Ausdruck bringen, daß etwas ohne Aufhübschung, direkt und unmittelbar vom Produzenten zum Rezipienten gelangt.

      In der Musik wird also auf Verzerrer, Effektgeräte und die aufwendige Tonanlage verzichtet: stattdessen wird (so im klassischen Fall) nur auf der Akustikgitarre geklimpert.

      Und übertragen auf die Wissenschaft: Du schreibst ja richtig “man verzichtet auf Verstärker“. Das heißt für mich nichts anderes, als daß eben auf die Uni-Presseabteilung oder andere professionelle Wissenschaftszwischenvermittler verzichtet wird. Alles, was der Wissenschaftler selbst zum Ausdruck verbringen vermag, steht im Blog und da ist dann eben nichts zusätzlich “optimiert”, geglättet etc.

    4. 4 Benedikt

      Beim ersten Überfliegen, dachte ich übrigens, der Claim wäre “Wissenschaft unblogged” …

    5. 5 LeV

      Ich finde die Idee der bloggenden Wissenschaft sehr gut und stelle mir da etwa einen Aggregator vor, der Feeds unabhängiger, wissenschaftlicher Blogs an zentraler Stelle sammelt. Aber bitte, unter dem Dach der Holtzbrinck-Gruppe? No way! Der Grund weshalb ich blogge und auch wissenschaftliche Themen blogge, ist der, dass ich die Ideologie einer freien Wissenschaft verfolge und damit meine ich frei; frei von irgendwelchem Verlagsscheiß einer medienmogulen Web 2.0 Klitsche wie der Holtzbrinck-Gruppe. Das hat nun echt so gar nichts mehr vom Charisma einer autonomen Blogosphäre.

      Schade eigentlich; ich sähe die bloggenden Akademiker lieber unter einem selbstverwalteten System versammelt, das sich ohne das Kleid werbewirksamer Medienvermarktung präsentiert und den vermutlich lesenswerten Content nicht vereinnahmt.

    6. 6 Benedikt

      @LeV: so ein unabhängiges, wenn auch nicht selbstverwaltetes System gibt es auch schon. Marc’s Wissenschafts-Café.

    1. 1 Fachzeitschriftsblogger gesucht at viralmythen

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