Naturalismus versus Religion?

Zu diesem Beitrag zu Richard Dawkins “Out Campaign” fällt mir folgendes Zitat ein:

Naturalistische Weltbilder genießen keineswegs prima facie Vorrang vor religiösen Auffassungen.

Wer hat’s gesagt?



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  • 5 Responses to “Naturalismus versus Religion?”


    1. 1 Marc | Wissenswerkstatt

      Ich muß gestehen, daß ich hier nicht richtig getippt hätte. Eher würde man einen der üblichen Verdächtigen (Angehörige der dt. Bischofskonferenz, EKD etc.) als Urheber dieses Statements vermuten.

      Aber, wenn man den Kontext weiß, in dem u.a solche Sätze fielen (und auch weiß, daß es als Reaktion u.a. auf die “Zumutungen” der Hirnforschung zu verstehen ist), dann ist es nicht mehr so verwunderlich, daß diese Aussage dem Verfechter des “rationalen Diskurses” zuzuschreiben ist.

    2. 2 Fischer

      Im Grunde ist das ja auch richtig: Naturwissenschaft ist für eine bestimmte Klasse von Fragen hervorragend geeignet, aber Weltbilder bestehen nun mal aus mehr als nur beweisbaren Fakten. Der ganze philosophische Rattenschwanz, der aus Wissenschaft erst ein naturalistisches Weltbild macht, ist genauso ein intellektuelles Kostrukt wie die religiösen Weltbilder, und sie sind alle – auf ihre Grundlagen und innere Logik bezogen, konsistent.

    3. 3 Dr. Michael Blume

      Schon interessant, dass sich Dawkins im Stern-Interview als Agnostiker, nicht als Atheisten versteht – aber seine “Out-Campaign” doch Atheisten zum Coming-Out ermutigen soll. Und im Guardian hat er unlängst dafür plädiert, Atheisten sollten eine politische Lobby “nach jüdischem Vorbild” bilden…

      Also, sorry, aber das ist m.E. ebenso wie die Memetik hart am Rande der Seriosität. Ich kann mich da inhaltlich nur Wilson anschließen, der sich hier mit der dawkinschen Religionstheorie auseinander setzt:

      http://www.skeptic.com/eskeptic/07-07-04.html

      Übrigens ein sehr guter Blog – willkommen auf meiner Blogroll! (-:

      Herzliche Grüße

      Michael Blume

    4. 4 Björn

      Sag mir mal einer was ‘naturalistische Weltbilder’ sind. Ich denke die Natur gibt es gar nicht mehr? Oder ist das jetzt schon wieder so eine Erfindung der Leute vom linguistic turn.

      Aber wer daran glaubt soll selig werden.

    5. 5 Benedikt

      @Marc: Gerade in den Verlautbarungen der EKD findet sich immer wieder Kritik am Kreationismus, gerade wenn es um Schulen geht. Wie nach dem Lehrbuch versucht man hier, Systemgrenzen aufrechtzuerhalten zwischen Glauben und Wissen, Religion und Wissenschaft.

      @Fischer: Wenn man sich die Laborstudien ansieht, wird schnell deutlich, dass auch “beweisbare Fakten” Konstrukte sind und nicht in der Natur herumschwirren und darauf warten, dass man sie mit dem Schmetterlingsnetz einfängt. Dennoch gelten andere Regeln und werden andere Prüfkriterien angewandt als für außerwissenschaftliche Weltbilder.

      @Michael Blume: “hart am Rande der Seriosität” – provokant könnte man formulieren, dass Dawkins damit noch nie Probleme gehabt hat ;-)

      @Björn: “Naturalismus” bezieht sich in dem Habermas-Zitat nicht auf den Naturglauben, sondern auf die Naturwissenschaften. Naturalismus ist demnach eine Kurzformel für den Versuch, ein Weltbild (allein) auf Grundlage naturwissenschaftlicher Methoden zu entwerfen.

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