Die Sichtbarkeit des bloggenden Wissenschaftlers

Be a visible researcher (Danah Boyd)

Ich finde, das fasst es schon ganz gut zusammen, um was es beim Wissenschaftsbloggen geht.

Auf der einen Seite haben bloggende Wissenschaftler den Vorteil, ein vergleichsweise breites Publikum zu erreichen. Die Auflagen der deutschen Fachzeitschriften für Soziologie liegen beispielsweise zwischen 500 (Berliner Journal für Soziologie) und 1.700 (Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie). Das ist ein Bereich, den ein Wissenschaftsblogger durchaus an einem sehr guten Tag erreichen kann (wobei man natürlich gedruckte Exemplare und Unique Visitors einer Webseite nur schwer vergleichen kann).

Auf der anderen Seite bedeutet diese Sichtbarkeit aber auch, dass man selbst als ForscherIn greifbarer wird und sehr viel stärker die Erwartung spürt, Stellung zu nehmen, Wissenschaft in Gesellschaft zu betreiben. Das wird sehr deutlich in Danah Boyds Beschreibung ihrer MySpace-Forschungen, die zwischen wissenschaftlicher Beobachtung und Aufklärung, wenn nicht sogar Parteinahme liegen.



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  • 5 Responses to “Die Sichtbarkeit des bloggenden Wissenschaftlers”


    1. 1 DrNI

      Ich möchte ja nicht meckern, aber da wäre noch anzumerken, daß viele wissenschaftliche Aufsätze auch außerhalb der gedruckten Journale ihren Weg finden. Das mag nun auch vom Fachbereich abhängen, aber vieles findet man ja auch als PDF im Netz, oder Dozenten stellen es als Kopiervorlagen ihren Studenten zur Verfügung. Aus diesen Auflagen auf die Leserzahl zu schließen ist daher meiner Ansicht nach sehr problematisch.

    2. 2 Benedikt

      Da hast du natürlich Recht. Und wenn man sich danach richtig, wie groß die wissenschaftliche Leserzahl ist, dürfte die Publikation in einem Journal nach wie vor die Blogs um Längen schlagen. Aber das Spannende ist ja, dass man mit Blogs andere Lesergruppen erreichen kann, denn sowohl Journals als auch Preprints zirkulieren wohl vor allem innerhalb der akademischen Welt. Eine Herausforderung dieser Öffnung könnte z.B. darin liegen, dass man als Wissenschaftler auf einmal andere Formen von Kritik rezipieren muss, die sich nicht nach den wissenschaftlichen Gepflogenheiten oder gar Codes orientiert, sondern ethisch, politisch oder subjektiv argumentiert.

    3. 3 DrNI

      Die meiste an mich als Student herangetragene Kritik an Wissenschaft und an der Universität argumentiert leider gar nicht sondern basiert nur auf wirren Meinungen und vorurteilen. Wer liest nun also das Wissenschaftlerblog wirklich? Die sog. breite Bevölkerung sicherlich nicht, sondern eben Leute aus ähnlichem Lager. Vermute ich. Das müßte man mal untersuchen.

    4. 4 Cherubino

      Schon gesehen?

      Wissenschafts-Café
      Das Portal für die wissenschaftliche Blogosphäre

    5. 5 Till

      Das passt ganz gut zum Debattenverlauf, den Tinas Reaktion auf die “Soziologie nur ziemlich wissenschaftlich”-Frage genommen hat — nämlich die Frage, ob WissenschaftlerInnen überhaupt Anreize, Ressourcen, Kompetenzen und Zeit dafür haben, bloggen in ihr Repertoire professioneller Praktiken aufzunehmen.

      So, genug gebloggt und kommentiert für heute — die Arbeit ruft. ;-)

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