Rascheln im Spießernetz? Horx sieht Ende der Weblog-Euphorie

Zukunfts- und Trendforscher Matthias Horx nahm auf dem FRA-Medientreff seine Begeisterung für Weblogs als neue Kommunikationsmedien doch etwas zurück. Ist in dem “Zukunftsletter” noch von einer mit Weblogs verbundenen “existenziellen Verschiebung des Verhältnisses von Privatheit und Öffentlichkeit” die Rede, heißt es jetzt: “Menschen nehmen nur ernst, was raschelt”.

Er verweist auf stagnierende oder zurückgehende Klickzahlen, um seine These zu unterstützen, dass dem Web 2.0 und den Weblogs die “sinnliche Dimension” fehlt, weswegen dieses “Genörgel von tausenden von digitalen Spießern” auch keine ernsthafte Bedrohung für die Printpresse und ihre “kommentierende und hintergründige Berichterstattung” sein können. Außerdem könne man fast schon von einer “Renaissance der Langsamkeit” sprechen (wer ein bisschen recherchiert, stellt aber schnell fest, dass dieser Trend auch die Welt der Weblogs betrifft). Aber allzu drastisch will Horx das auch nicht verstanden werden und hält sich die Möglichkeit offen, dass nach der gegenwärtigen “Wild Gadget Phase” (= Technik als billige “Ausrede für nicht existente Inhalte”) doch noch eine “digitale Lifestyle-Phase” folgen könnte.

Wie könnte dieser digitale Lebensstil aussehen? Handelt es sich vielleicht um ein neues Vernetzungsmuster (Twitter, Facebook etc.) auf Grundlage eines erreichten hohen Individualisierungsgrades? Also um eine Art networked individualism?



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  • 4 Responses to “Rascheln im Spießernetz? Horx sieht Ende der Weblog-Euphorie”


    1. 1 amos

      Ach. Der nette Onkel Horx :-)

      Digital Lifestyle? Wird doch schon lange vorgelebt.
      Bitte hier entlang: http://www.de-bug.de/

    2. 2 Benedikt

      De:Bug lese ich immer wieder gerne. Aber ich suche nach einer etwas tiefer greifenden, einer soziologischeren Beschreibung eines digitalen Lebensstils. “Internet, Video-Spiele und Handys. Datenschutz, digitaler Büroalltag und TV. Digicams, Laptop-Arbeiter und Filme. Blogs, virales Marketing und Tanzflächen” ist für meine Begriffe eine zu technische Aufzählung. Die interessierende Frage wäre doch eigentlich, ob man tatsächlich noch von einem digitalen Lebensstil sprechen kann, der in Konsum, politischer Beteiligung, Sozialisation etc. tatsächlich noch so etwas wie “Lebensstilgruppierungen” vermitteln kann. Oder etwas kontroverser: geht die Digitalisierung vielleicht sogar einher mit einer Rücknahme von Pluralisierung und eine neue Form von Vergemeinschaftung?

    3. 3 amos

      Ich sehe das in erster Linie doch etwas pragmatischer: Zuerst kommen die “Dinge an sich” – also Technologie – und Lebensstile kondensieren dann darum. Warum? Weil die Dinge ja nunmal da sind.
      In zweiter Instanz: Emulation des “echten” Lebens im digitalen. Und das geschieht in Schüben, da die Unzulänglichkeiten jeglicher Medien das “Echte” ja eben nur annähernd abbilden können. Und da kommt es zu einem Shift: Dumme Technologie hinkt dem menschlichen Verhalten hinterher… Das versucht man dann mit einem Heer an Zusatzfeatures wieder wett zu machen (Twitter, Facebook, etc.).
      Aber verändert das den Menschen? Ich glaube nicht. Es ist einfach nur “Neuland”. Und auf unbekanntem Terrain bewegt Mensch sich nunmal nicht gerne alleine ;-)

    4. 4 Maria

      Ich danke für diesen Informativen Beitrag. Werde mal versuchen darüber noch mehr Infos zu bekommen. Falls du mehr Infos hast, würde ich mich freuen.

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