Journalisten haben herausgefunden: Bloggen ist Kinderkram

In einem wunderbaren Beitrag nimmt Marc (Wissenswerkstatt) die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung zum Thema Web 2.0 auseinander, das nicht gerade zur Kernkompetenz der Zeitung gehört. Worum geht es? Die SZ hat anlässlich einer TNS-Infratest-Studie (vgl. dazu auch den Eintrag im Wortgefecht) zum Thema Web 2.0 – zu interpretativen Schwierigkeiten einer älteren TNS-Studie zu einem ähnlichen Thema hatte ich mich bereits an dieser Stelle geäußert – in ihrem “Jugendlexikon” wieder einmal die Lieblingsthese der Qualitätsjournalisten von der Blogosphäre als digitalem Kindergarten aufgewärmt:

“Schon 81 Prozent der Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren hocken heute vorm Computer. Folglich werden es immer seltener Oma und Opa sein, die den goldenen Schlüssel zu ihren Erfahrungsschätzen aushändigen, so ihnen nur aufmerksam zugehört wird. Vielmehr wird Wissen heute fix aus dem Internet gefischt. Genauer, aus dem Web 2.0, dem Mitmach- und Partizipativnetz. Für dessen Inhalte sorgen, wie sich denken lässt, viele Jugendliche.”

Marc empfiehlt den zuständigen Redakteuren und Journalisten, es doch hin und wieder einmal mit sorgfältiger Recherche und einem Blick auf die Repräsentativität derartiger Aussagen zu versuchen, was dann mitunter überraschende Ergebnisse hervorgebracht hätte: dass zum Beispiel das Durchschnittsalter der Wikipedia-Produzenten bei 35 Jahren liegt oder dass der “Wie ich Blogge”-Studie (Zusammenfassung als pdf) zu entnehmen ist, dass “82,3% aller Blogger 20 Jahre und älter sind”.

Vielleicht hätte aber auch ein kleiner Blick auf unsere lieben A-Blogger genügt. Normalerweise schauen Qualitätsjournalisten doch auch immer als erstes auf die Herren Niggemeier, Schultheis, Vetter, Basic, Haeusler, René, Schwenzel, Alphonso und Winkel? Warum nicht dieses Mal? Vielleicht weil sie dann sofort auf das kleine Geheimnis der A-Blogger gestoßen wären, dass keiner von ihnen unter dreißig ist und einige sogar bereits die 40 hinter sich gelassen haben.

Disclaimer: Der Autor dieser Zeilen ist in dieser Angelegenheit persönlich nicht unbeteiligt, da er ebenfalls der Altersgruppe Ü30 angehörig ist.



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