Monthly Archive for September, 2007

Bloggende Wissenschaft – eine Typologie

schreibtisch.pngFür einen Artikel zum Thema “Web 2.0 für Sozialwissenschaftler – Einsatzmöglichkeiten von Wikis, Weblogs und Social Bookmarking in Forschung und Lehre”, an dem ich hin und wieder weiterschreibe, habe ich eine Typologie von Blogs erstellt, die mit Wissenschaft zu tun haben. Ich bin, nachdem ich mir zahlreiche Blogs aus diesem Bereich angesehen habe, zu folgenden Typen gekommen:

  • PhD-Blog: Bloggende Begleitung einer Qualifizierungsarbeit, v.a. Doktorarbeit wegen der langen Bearbeitungszeit. Dazu gibt es auch ein Verzeichnis, auf der sich bereits 500 dieser Blogs eingetragen haben.
  • Projektblog: Stärker themenzentriert als das PhD-Blog, zum Teil auch mit mehreren Autoren. Laufzeit ist in der Regel begrenzt.
  • Institutsblog: Hier ist die Laufzeit länger als im Projektblog. Auch hier können wechselnde Autoren beteiligt sein. Beispiel: Bremer Sprachblog.
  • Seminarblog / Konferenzblog: Weblog als Begleitung zu einem Seminar oder einer Konferenz, bzw. zur Vor- und Nachbereitung. Kürzester Zeithorizont. Beispiel: “Das neue Netz 2007″-Blog
  • Wissenschaftlerblog: Ähnlich dem PhD-Blog, im Mittelpunkt steht jedoch nicht ausschließlich die eigene Forschungsarbeit, sondern alles, was einem in der akademischen Welt noch so begegnet. Hierzu würde ich das Bamblog, das Textdepot sowie dieses Blog hier zählen. Außerdem die von Robert Basic gesammelten bloggenden Professoren.
  • Wissenschaftsblog: Hier geht es um die Vermittlung von Wissenschaft (scientific literacy), in der Regel stärker journalistisch (und zudem unterhaltungs-) orientiert als die anderen Blogtypen. Der/die Blogger/in muss nicht Wissenschaftler sein. Beispiele: scienceblogs.com, wired science.

Soweit die (noch sehr rudimentäre) Typologie. Vielleicht hat der ein oder andere noch ein paar Beispiele?

(Abbildung “Friedrich Carl von Savigny am Schreibtisch sitzend” von Ludwig Emil Grimm, 1809, Historisches Museum Hanau, Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)



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  • Wer bestimmt über die Werbung im Web?

    Kevin Kelley hat diese Matrix der Werbung im Web gezeichnet:

    futuread.png

    Unten links ist die klassische Werbung, in der beide Seiten darüber entscheiden, welche Werbung an welcher Stelle erscheint. Das AdSense-Modell liegt rechts daneben, denn im Unterschied zum klassischen Fall hat der Herausgeber nur einen minimalen Einfluss darauf, welche Werbung tatsächlich auf der Seite entscheiden wird. Oben links befinden sich die neuen AdChoice-Widgets, die zum Beispiel ein Blogger beliebig auf seiner Seite platzieren kann. Ein Sektor ist leer geblieben. Genau dort liegt möglicherweise die Zukunft der Web-Werbung:

    Here there might be publishing vehicles where both the editorial content and the advertising content are generated by contextual search and inquiry.

    Das ist nichts anderes als Werbung im semantischen Netz. Die Rechner der Werbevermarkter und der Herausgeber unterhalten sich in dieser Utopie selbständig miteinander und handeln Art, Preis und Platzierung der Werbeeinblendung aus. (via)



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  • Reichweite oder Relevanz?
  • Kurze: Leseschwäche, Onlinewerbung, Sterbekarten, Blogsterben und Projektemacher
  • Kostenloser Ratgeber für Journalisten 2.0

    journalism.pngVielleicht sollten sich die QualitätsPrintjournalisten einmal dieses Buch von Mark Briggs (kostenlos als pdf verfügbar) durchlesen? Darin wird so ziemlich alles erklärt und mit zahlreichen Übungen veranschaulicht, was mit dem neuen Netz zusammenhängt: RSS, Digg, Tagging, Folksonomies, Weblogging oder Podcasting. Wer mindestens mit zwei dieser Begriffe nichts anfangen kann, sollte sich den Ratgeber einmal ansehen.



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  • Blogs als Diskurs- und Dialogmedien
  • Twitteranalyse for Dummies
  • Creative-Commons-Blogs – ein Erfolgsgeheimnis?

    cc.pngWenn man auf der metaroll-Seite die Checkbox “nur Creative Commons” und auf “Suche” klickt, werden nur diejenigen Blogs angezeigt, die unter einer Creative-Commons-Lizenz stehen. Bei diesen Blogs wird außerdem ein Ausschnitt aus dem jeweils letzten Blogeintrag angezeigt. Wessen Blog nicht unter einer CC-Lizenz steht, aber trotzdem will, dass ein solcher Schnippsel angezeigt wird, bitte mir per Email oder Kommentar mitteilen. Dasselbe, wenn ich ein CC-Blog fehlt (das sind derzeit noch einige). Danke!

    Von den ersten 100 Blogs der metaroll stehen ein Drittel unter der Creative-Commons-Lizenz. Man mag jetzt streiten, ob das viel oder wenig ist (ich finde, es könnten mehr sein), aber auffällig ist doch: jedes der “Big Five”-Blogs (Spreeblick, Wirres.net, Basic Thinking, Bildblog und Nerdcore) ist CC-lizenziert. Ist das vielleicht ein Baustein für den Erfolg? Oder können es sich diese Blogs “leisten”, ihre Inhalte zu öffnen? Oder ist das nur ein Zufall?



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  • Die Geschichte des Zeugs
  • Neurowissenschaftliches Surfen
  • Die kommunistische Enteignungsmaschine
  • Galerie des Wissens 1.0

    Manchmal stehen zwischen mir und einer möglicherweise wichtigen Erkenntnis 10 Euro:

    kzfss.png

    Die Möglichkeit, alle Artikel der VS-Journals im Volltext zu durchsuchen, ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber dann kommt diese Schranke. Warum kein Open Access, VS-Verlag?



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  • Galerie des Wissens 1.0 (Folge 3)
  • Galerie des Wissens 1.0 (Folge 2)
  • Galerie 2.0 oder: Schon einmal einen Rupprecht Geiger gejpged?
  • Neues metaroll-Feature (Beta): Feedausschnitt

    In der Betaversion der metaroll habe ich ein neues Feature eingebaut, das für jedes Blog einen kurzen Ausschnitt aus dem letzten veröffentlichten Beitrag anzeigt:

    feed.PNG

    Außerdem stehen jetzt Links zu den RSS- und Atom-Feeds in jedem Eintrag. Ich denke, jetzt wird es bald Zeit, das Design zu ändern, es sieht wirklich nicht mehr aufgeräumt aus. Vorschläge? Tipps?



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  • Neues metaroll-Feature: “metablog”
  • Tagging von Weblogs in der metaroll
  • Neues metaroll-Feature: Neue Blogs
  • Commercialisation of privacy?

    Wie lange wird es wohl dauern, bis die Web 2.0-markt.pngUnternehmen entdecken, dass sich Privatsphäre auch verkaufen lässt? Wann werden Anbieter von Social Networks unterschiedliche Typen von Mitgliedschaft anbieten:

    • die gewöhnliche “free membership“, die allerdings beinhaltet, dass Benutzerdaten weiterverwendet werden können und dass die von diesem Nutzer produzierten Inhalte (user generated content) von dem Unternehmen weltweit genutzt werden können, sowie
    • eine “premium membership“, die strengere Datenschutzbedingungen garantiert und darüber hinaus alle Rechte an den produzierten Inhalte bei dem User verbleiben?

    (Abbildung “Quacksalber auf dem Markt” von Jan Victors, 1635, Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)



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  • Die Least Popular Stories dieses Blogs
  • Die Karteileichen im MySpace-Keller
  • Das unsichtbare Web 2.0

    fischer.pngEiner der wichtigsten Punkte in der Wissenschaft 2.0 ist die Frage, wie man an die unzähligen Informationen herankommt. Bislang spielten Abstract-Zeitschriften (oder Abstracts von Abstracts) eine zentrale Rolle in der Suche nach spezifischen Informationen – das im Internet dezentral abgespeicherte Wissen lässt sich jedoch mit Aggregatoren dieser Art nicht mehr sinnvoll verwalten und durchforsten. Gerade die vielen Publikationsvorstufen, Manuskripte, Diskussionsgrundlagen, Präsentationen, Berichte, Personenprofile und vor allem Datensätze die zunehmend im wissenschaftlichen Web zu finden sind, können nicht mehr wie in einem Telefonbuch verzeichnet werden. Auch hier (wie im Web insgesamt) werden vermutlich Suchmaschinen die Kataloge und Portale nach und nach ablösen.

    Aber die Sache wird dadurch verkompliziert, dass ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Informationen auch mit Suchmaschinen nicht gefunden werden kann: diese Informationen sind im Academic Invisible Web verborgen. Was versteht man unter diesem Begriff? Sherman und Price fassen darunter Texte, Daten und Informationen im WWW, die in den bisherigen Suchmaschinen (v.a. natürlich Google) nicht verzeichnet sind und daher für den WWW-Nutzer gar nicht existieren.

    Wie groß dieser Teil des WWW ist, lässt sich nur abschätzen. Hier wird z.B. behauptet, dass sogar die besten Suchmaschinen nur zu 16% der WWW-Informationen Zugang haben, wobei das unsichtbare Netz sogar 500 Mal so sein soll wie das sichtbare und zudem schneller wächst (für eine Kritik dieser Zahlen sowie grundsätzlichen Fragen zur Messbarkeit des tiefen Webs vgl. hier). Interessanterweise geht es dabei nur in geringem Maß um nicht-öffentliche Seiten, sondern vor allem um dynamisch generierte Datenbankergebnisse. Aber auch einzelne, nicht verlinkte Seiten, Multimediainhalte und andere non-text-Formate (zip, rar), wenn sie nicht mit Metadaten versehen sind oder Echtzeitinformationen gehören zu dieser Kategorie.

    Eindrucksvoll lässt sich dies an den neuen interaktiven Informationsangeboten der statistischen Ämter demonstrieren. Armin Grossenbacher sammelt zur Zeit hier eine Liste von solchen Anwendungen. Wenn man sich zum Beispiel den neuen “Atlas der Außenhandelsstatistik” des Statistischen Bundesamtes betrachtet, fällt zum einen auf, dass dem Nutzer eine Web 2.0-ähnliche Rich Internet Application angeboten wird. Man kann selbst auswählen, welche Daten wie visualisiert werden sollen und zum Teil ist auch der Export in verschiedenen Datenformaten möglich (zum Beispiel mit dem TGM-Modul (“table, graphs and maps”) von Eurostat). Zum anderen sind diese Inhalte nur über den Atlas verfügbar und können nicht über die Suche einer Suchmaschine entdeckt werden.

    Möglicherweise lässt sich an dieser Stelle die These formulieren, dass interaktive, datenbankgestützte Web 2.0-Anwendungen dazu neigen, das “tiefe Web” auszudehnen, werden sie nicht mit Web 3.0-Elementen (“semantisches Netz”) ergänzt. Zum Beispiel durch Informationen darüber, welche Funktion bestimmte Eingabeformulare oder Datenbankschnittstellen haben und welche Inhalte damit abgerufen werden können. Aber die erwähnten Seiten besitzen nicht einmal Dublin Core-Metadaten, mit denen der Inhalt der Seite kurz charakterisiert werden könnte.

    Wer mehr zu dem Thema lesen will, kann auf die beiden Weblogs The Invisible Web und Deep Web Research zurückgreifen sowie die umfangreiche Bibliographie auf “Beyond Google“.

    (Abbildung: Claude Monet, “Zwei Fischer”, 1882, Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)



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  • Die Zukunft des WWW (Richard MacManus)
  • Failure notice – über die positive Funktion von Fehlern
  • Fokus: Berufsblogs

    sarg.pngIn der Blogosphäre gibt es ein Genre der “Berufsblogs”. Damit sind nicht Blogger gemeint, die von ihrem Bloggen leben können (“Berufsblogger”), sondern Blogs, die sich mit einem bestimmten Beruf auseinandersetzen. Bestes Beispiel hierfür ist das Bestatterwebblog. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Corporateblog, denn das Unternehmen selbst wird nicht genannt:

    Aus verschiedenen Gründen schreibe ich ohne meinen Nachnamen zu nennen. In der Branche herrscht ein starker Wettbewerb und ich möchte keine Konfrontation mit Mitbewebern auslösen. Außerdem könnte ich nicht frei über Abläufe, Kundengespräche und meinen Job schreiben, wenn Rückschlüsse auf mein Unternehmen möglich wären. Die Kunden könnten sich dadurch verletzt fühlen. Deshalb beschreibe ich auch Vorgänge, die oft Monate zurückliegen als “heute passiert”, damit niemand sich angegriffen fühlen kann.

    Sucht man in der metaroll nach verwandten Blogs, so fällt auf, dass dort auch andere Berufsblogs stark repräsentiert sind:

    Um die Zahlen geht es jetzt gar nicht, da die Fallzahlen sehr klein sind. Aber das Ergebnis ist doch spannend. Interessanterweise ist die Verbindung hier nicht so sehr themenspezifisch, sondern es scheint ein verallgemeinertes Interesse zu geben, in andere Berufswelten hineinzusehen. Jemand, der sich für den Alltag eines Bestatters interessiert, findet demnach auch die Berufswelt einer Erotikchatterin interessant.
    (Abbildung: Friedrich, Caspar David, “Landschaft mit Grab, Sarg und Eule” (1836–1837). Quelle: http://www.zeno.org – Zenodot Verlagsgesellschaft mbH)



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  • Stapelverarbeitung

    Gerade bin ich wieder aus Bamberg zurückgekehrt (später mehr dazu). Jetzt gilt es, die knapp 170 Neuanmeldungen für die metaroll einzuarbeiten, die dank der Verlinkung von Felix, Thomas, Robert und all’ den anderen seit gestern angefallen sind.



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