Das Ende des Web 1.0: New York Times jetzt wieder kostenlos

bibel.pngAls die Zeitungsverlage ihre Webpräsenzen immer weiter ausbauten, bis schließlich ihr gesamter Content auch im Internet abgerufen konnte, wurde die Frage nach dem Geschäftsmodell dringlich. Zahlreiche Verlage haben sich dazu entschlossen, in alter Web 1.0-Manier die Nutzer für die Inhalte zahlen zu lassen. Sie haben also nach einer mehr oder weniger langen Open Content-Episode das bewährte Geschäftsmodell der Pornoanbieter im Netz übernommen: pay for your fun.

Momentan lässt sich jedoch aus einigen Meldungen herauslesen, dass die Verlage in dieser Beziehung wieder einmal den Kurs ändern. So stellt zum Beispiel die New York Times fest, dass mittlerweile so viele Besucher über Suchmaschinen auf die digitalen Seiten der Zeitung kommen, dass es finanziell unklug wäre, diesen potentiellen Lesern (und AdClicks) die Artikel vorzuenthalten. Die Einbuße durch den Wegfall der Online-Abogebühr, so das Kalkül des Verlags, würden durch die zusätzlichen Page Views und AdClicks mehr als ausgeglichen werden. John Battelle freut sich darüber, dass die Verlage nun endlich das Modell der suchmaschinenorientierten Point-to-Economy verstanden haben “and now they will be getting all the search juice they richly deserve.” Duncan Riley geht noch darüber hinaus und sieht das Ende des Pay-for-Content-Geschäftsmodell nahen und kommentiert den Schritt der New York Times wie folgt:

Most importantly: this is a win for all of us. The notion of paying to access content is flawed in a connected online world where virtually everything is free, particularly content. Companies such as the NY Times can make money from providing content for free.

Dabei geht es nicht nur um die aktuellen Ausgaben, sondern auch das Archiv von einer Zeittiefe von immerhin 91 Jahren ist jetzt für jeden interessierten Leser erreichbar. Die Zeit ist diesen Schritt schon vor ein paar Wochen gegangen und hat ihr Archiv mit sämtlichen Print- und Onlineausgaben geöffnet.

Aber auch das Medienunternehmen News Corp. beschäftigt sich, wie gerade bekanntgeworden ist, mit Gedankenspielen dieser Art. Es geht darum, ob auch die Onlineausgabe des Wall Street Journal kostenfrei erhältlich sein wird, aber eine definitive Entscheidung liegt noch nicht vor. Schätzungen für ein paar andere wichtige Printprodukte stellt Kathrin Passig an:

Es kann jetzt nur noch ungefähr weitere 245 Jahre dauern, bis FAZ/FAS, Süddeutsche, taz, Frankfurter Rundschau, Spiegel, Focus, Standard und NZZ durch Nachdenken zu derselben Einsicht gelangen.

(Abbildung aus Wikipedia)



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  • 3 Responses to “Das Ende des Web 1.0: New York Times jetzt wieder kostenlos”


    1. 1 Marc | Wissenswerkstatt

      Ach schön, daß hier ein Umdenken stattfindet. Nun hoffe ich, daß andere Nachziehen (SZ, FAZ…) und v.a. daß nicht nur auf die Pageviews geschielt wird. Wenn Standard-Artikel zukünftig nur noch in 5-6 Häppchen präsentiert werden, fände ich es auch nervig… naja, aber Zugriff auf das Komplettangebot ist schon was wert. Toll.

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      fluflaken

    1. 1 New York Times: Freier Zugang zahlt sich aus at viralmythen

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