Daily Archive for September 14th, 2007

Tis all in pieces, all coherence gone – Wissenschaftskommunikation im Web 2.0

god.pngAm 22. September wird Marc vom Wissenswerkstattsblog in Bamberg etwas über den “schwierigen Weg zur Wissenschaft 2.0″ erzählen. Darin wird es (sofern sich der Vortrag nicht allzustark von diesem ersten Abstract weg entwickelt hat) vor allem um die spannede Frage gehen, warum die akademische Welt so große Schwierigkeiten hat, sich dem neuen Netz zu öffnen. Mit einigem systemtheoretischen Theoriefundament kommt Marc dann zu seiner These: “so wie sich das Internet gerade in der Spielart des Web 2.0 präsentiert und konstituiert, stellt es eine Provokation und gleichzeitig eine Heraus­forderung für das etablierte Wissenschaftssystem und seine tradierten Publikationspraxen dar.” Vor allem die folgenden vier Punkte beschreiben die Probleme der Wissenschaft (welcher eigentlich? bzw: gilt dies auch für die Naturwissenschaften?) mit dem Read/Write-Web:

  1. Das grundlegende Erfordernis, die Systemgrenzen der “Wissenschaft” stabil zu halten (Stichwort: “Wahrheitsfähigkeit”), verhindert eine allzu große Öffnung zu anderen Gesellschaftsbereichen (vulgo: Subsystemen). Aber: Inwiefern ist das wirklich ein Problem? Da Wissenschaftlichkeit ein Kriterium ist, das stets durch einen Beobachter zugewiesen wird, kann dies doch ebenso auf elektronische Kommunikationen und kollaborative Prozesse angewendet werden.
  2. Im neuen Netz wird die Grenze zwischen Wissensproduktion und -darstellung unscharf. Die Frage ist, ob man hier wirklich, gerade von einem systemtheoretischen Unterbau aus, von einer kategorialen Trennung sprechen sollte. Schließlich sind doch beides kommunikative, auf Anschlussfähigkeit ausgelegte Akte (der romantisch-genialische Geisteswissenschaftler, der erst Jahrzehnte nach seinem Tod rezipiert wird, ist sicher eine Extremfigur). Oder: Wissenschaftskommunikation ist Wissensproduktion.
  3. Das kollaborative Schreiben führt zudem dazu, dass Autorschaft nicht mehr einwandfrei zugerechnet werden kann. Dazu würde ich sagen, dass die Zuschreibung von Autorschaft, gerade wenn es um Entdeckungen und Erfindungen geht, schon immer problematisch gewesen ist. Aber dafür haben wir schließlich die Wissenschaftsgeschichte, die dann genau diese Zuschreibungen leistet. Übrigens können auch Wikipedia-Wissenskommunikationen können mit den entsprechenden (neuen) Werkzeugen in ihren Autorenbeiträgen aufgeschlüsselt werden, wie ich gerade gelesen habe (vgl. dazu diesen Beitrag).
  4. Mit dem bisherigen Fokus auf die Frage des Open Access (und damit: der Zirkulation von Wissen) – ich würde an dieser Stelle auch noch auf die ebenfalls einflussreiche Debatte um “Public Understanding of Science” (PUS) hinweisen, in der es ebenfalls vor allem um die Kommunikation und Rezeption bereits produzierten Wissens geht – verstellt sich die Wissenschaft den Blick auf die neue spannende Frage danach, wie Wissen kollborativ und offen produziert werden kann.

Die Frage, die mich an diesem Thema besonders interessiert, wäre allerdings: Entwickeln sich im neuen Netz tatsächlich neue wissenschaftliche Textgenres (also neben dem Artikel, der Monographie und der Presentation)? Gerade dem Bloggen würde ich in dieser Hinsicht ein hohes Innovationspotential zusprechen, da es sich in einem Punkt deutlich von den anderen wissenschaftlichen Textsorten unterscheidet: in der Eindringlichkeit der Kommentierungen. Seitdem es durch das exponentielle Wachstum wissenschaftlicher Veröffentlichungen einer einzigen Person nicht mehr möglich war, alle relevanten Texte auch nur im eigenen Fachgebiet vollständig zu rezipieren, konnte man Kommunikationen (Nachfragen, Kritiken, Vorschläge) ignorieren ohne damit ein großes Risiko einzugehen. Genau das ist in Weblogs nicht möglich, da die Antworten auf die eigenen Texte am selben Ort erscheinen wie die Ausgangstexte. Das Ignorieren wird damit beobachtbar und nahezu zwangsläufig zugerechnet. Oder anders ausgedrückt: das Prinzip der Anschlussfähigkeit gerät sehr viel stärker ins Blickfeld des Autors sowie anderer Beobachter.

Interessanterweise wurde gerade jetzt wieder einmal die Frage nach den “bloggenden Professorengestellt und die zahlreichen Antworten demonstrieren, dass man hier eigentlich nicht mehr von einem Ignorieren des Web 2.0 sprechen kann. Eine wachsende Zahl von Akademikern in unterschiedlichen Disziplinen streckt ihre Fühler schon in diese Richtung aus.

Und noch etwas: Gerade ist Burda bei der US-amerikanischen Seed Media Group eingestiegen, die man nicht nur ihres interessanten Seed Magazines wegen im Auge behalten sollte, sondern auch, weil dazu mittlerweile bereits 65 Wissenschaftsblogs gehören. Und wie sehen die Pläne der Burda Media Group aus? Nach Marcel Reichart, Geschäftsführer für Forschung und Entwicklung, soll bereits im nächsten Jahr die deutsche Version von Scienceblogs starten.



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    Auf zwei Neuerungen der metaroll möchte ich nur kurz hinweisen:

    1. In der ersten Navigationszeile hat man die Möglichkeit, aus den mittlerweilen deutlich über 4000 abgespeicherten Weblogs ein Zufallsblog aufzurufen.
      zufall.png
      Die Wahrscheinlichkeit, dass man dabei auf ein Blog stößt, das man zuvor noch nicht nicht gekannt hat, dürfte damit recht groß sein. Viel Spaß beim Entdecken!

    2. Außerdem werden darunter jetzt die fünf Blogrolls angezeigt, die als letztes in die metaroll-Datenbank eingegeben wurden.
      neuzugang.png
      Allerdings werden aus Urheberrechtsgründen nur diejenigen Blogrolls angezeigt, die von den Besitzern selbst angemeldet wurden. Wer in der metaroll verlinkt werden möchte, sollte sein Weblog also möglichst bald eintragen. In der Datenbank werden zwar bereits alle Blogs der Deutschen Blogcharts Top 100 mitgezählt, sichtbar sind allerdings nur diejenigen, von denen ich eine Zustimmung zur Veröffentlichung bekommen habe.

    3. Das letzte Feature: Ganz unten auf der Seite werden ein paar Eckdaten zur metaroll angezeigt.
      statistik.png
      Momentan sind das: die länge der kürzesten bzw. längsten Blogroll, die Durchschnittslänge, der Median sowie die Standardabweichung.


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    Auf dieser metaroll-Seite frage ich mich, wie lange Zeit Blogrolls wohl unverändert bleiben. Wenigstens auf diese Frage gibt es schon eine erste Antwort, wie ich von Jan Schmidt erfahren habe. Denn die Studie “Wie ich blogge?! Erste Ergebnisse der Weblogbefragung 2005” von Jan Schmidt und Martin Wilbers gibt auch zu diesem Thema Auskunft: “Etwas mehr als die Hälfte der Autoren führt eine Blogroll, in der sie vor allem auf solche Weblogs verweisen, die sie selber gerne lesen oder die Freunde von ihnen führen. Mit steigendem Alter des Weblogs wächst der Umfang der Blogroll, sinkt aber die Aktualisierungshäufigkeit”. Auch ein paar Zahlen werden genannt: Nach Schmidt und Wilbers ist die Durchschnittsblogroll 16 Links lang; der Umfang variiiert zwischen einem und 300 Einträgen (der Median ist 10).

    Interessanterweise komme ich für die metaroll zu ähnlichen Zahlen, was die Länge angeht: die kürzeste Blogroll hat nur einen Eintrag und die längste 333. Allerdings liegt der Median bei meinen Daten mit 25 deutlich über den Werten von Schmidt und Wilbers und auch die Durchschnittslänge liegt mit 35 Einträgen darüber; die Standardabweichung beträgt 37,42. Die Zahlen werden im unteren Abschnitt der metaroll-Seite von jetzt an ständig aktualisiert.

    Doch nun zur Antwort auf die von mir gestellt Frage:

    Nur etwa ein Drittel gibt an, zumindest mehrmals im Monat Veränderungen daran vorzunehmen, während zwei Drittel dies nur einige Male im Jahr tun. Tendenziell aktualisieren die Autoren älterer Weblogs ihre Blogroll seltener als die von jüngeren Weblogs.



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    Wer etwas auf sich hält in der neuen Internetwelt, verbringt die Tage wahrscheinlich am ZKM Karlsruhe auf der Tagung “ICH, WIR & DIE ANDEREN. Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potenzialen II“. Für alle anderen gibt es in Oliver Gassners Blog zumindest die Möglichkeit, frische Notizen von den Vorträgen zugespielt zu bekommen. Danke.

    Ergänzung: Mittlerweile hat auch Ralf in seinem Blog eine gut lesbare Zusammenfassung des ersten Tags geschrieben. Und hier gibt es noch ein Blog zur Konferenz. Außerdem berichtet Julie Paradise mit roten Ohren von dem Gefühl, in einem Vortrag über die “Relevanz-Debatte” “irgendwie mit drin zu sein, und andererseits eben nicht”.



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