Was Facebook so unwiderstehlich macht

Viel wurde bereits geschrieben über die Einzig- oder Neuartigkeit des sozialen Netzwerks Facebook. Für mich sind es folgende vier Merkmale, die einen Unterschied machen und mit denen Facebook seinen Konkurrenten deutlich voraus ist:

  1. Natürlich ist die Strategie, Third Party Applications nicht nur zuzulassen, sondern bewusst in das System zu integrieren, eine geniale Entscheidung gewesen. Dass auf vielleicht 10-20 brauchbare Anwendungen massenhaft Schrott kommt, ist wahrscheinlich nicht einmal ein schlechtes Verhältnis.
  2. Der zweite Vorteil von Facebook gegenüber anderen professionellen sozialen Netzwerken ist, dass man ständig das Gefühl hat, dass sich etwas tut. Im Unterschied zu Xing bekommt man hier immer wieder Nachrichten darüber, was der eigene “Freundeskreis” gerade tut, schreibt, ausprobiert etc.
  3. Damit eng verbunden ist die Möglichkeit, die eigenen Kontakte mit ausgesprochen niedrigschwelligen Kommunikationsformen zu erreichen. Die Schwelle, einem Kontakt bzw. vielen Kontakten eine Email zu schreiben oder etwas ins Gästebuch zu tippen, dürfte einiges höher liegen, als ein Webfundstück oder einen Blogeintrag als “Notiz” kurz zu kommentieren und ins System zu “heften”. Der Witz ist, dass man in Wirklichkeit nicht nur “heftet”, sondern dass die Notiz direkt auf die Facebook-Startseite von zahlreichen der eigenen “Freunde” gelangt.
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    Eine Push-Kommunikation, die sich als Pull-Kommunikation verkleidet hat. Dasselbe passiert, wenn einer der Kontakte in einer der zahlreichen Gruppen etwas schreibt: per Startseite wird meine Aufmerksamkeit genau dorthin gelenkt.

  4. Viertens spricht auch die Binsenweisheit “Die Leute wollen dort sein, wo auch die anderen Leute sind” für Facebook. Man braucht nur einen Blick darauf werfen, welche namhaften Soziologen und Medienwissenschaftler (als Fake oder in Person) dort angemeldet sind und sich z.B. an Diskussionsgruppen beteiligen, um zu verstehen, warum dieses Netzwerk momentan in bestimmten professionellen Milieus konkurrenzlos ist.


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  • 2 Responses to “Was Facebook so unwiderstehlich macht”


    1. 1 hanson

      Der grösste Nachteil ist, das nur registrierte Nutzer die Profile bestaunen dürfen,was sicher nicht zur Popularität beiträgt.

      Solche Zwangsanmeldungen schrecken viele Leute ab und veranlassen sie ihre Myspace Seiten zu behalten.

    2. 2 bemme51

      tja also weder myspace noch facebook haben mich überzeugt, bei myspace explodiert mir zu häufig die seite, bzw. ist die gestaltung zwangsweise schlecht – es kann eben doch nicht jeder eine seite hinstümpern – und bei facebook nerven die überladenen plugins schon, tamagotchis waren auch schnell aus der mode, weil soviel zeit eben doch niemand aufwenden wollte….

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