Daily Archive for September 13th, 2007

Jenseits der Virus-Analogie

marburg.jpgSurj Patel und Mark Hendrickson diskutieren über einen Ausweg aus dem Nicht-Verfügbarkeitsproblem von Facebook-Anwendung.

Man hat die Verbreitung der Third-Party-Applications auf Facebook schon des Öfteren mit dem Begriff “viral” beschrieben, da die Verbreitung der Anwendungen ganz wesentlich darauf gründet, dass man selbst sieht, wer von den eigenen “Freunden” diese Anwendung nutzt bzw. ausprobiert. Diese Viralität hat aber auch ihre Tücken, da die Entwickler (häufig Amateure) nicht vorhersehen können, ob und wann dieser virale Effekt zuschlägt und der selbstprogrammierten Anwendung eine exponentielle Steigerung der Nutzerzahlen beschert. Die Lösung für dieses Problem, unter dem dann nicht nur die Anwendungsentwickler, sondern auch Facebook leiden, liegt nach Surj Patel in neuen Diensten wie S3 und EC2 (angeboten von Amazon), in denen man Bandbreite und Prozessorpower nach Bedarf bezahlt. Anders als im wirklichen Leben gibt es hier also eine digitale Impfung gegen den Virus-Effekt, die auch noch weitgehend nebenwirkungsfrei zu sein scheint.
(Abbildung von AJC1)



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    Viel wurde bereits geschrieben über die Einzig- oder Neuartigkeit des sozialen Netzwerks Facebook. Für mich sind es folgende vier Merkmale, die einen Unterschied machen und mit denen Facebook seinen Konkurrenten deutlich voraus ist:

    1. Natürlich ist die Strategie, Third Party Applications nicht nur zuzulassen, sondern bewusst in das System zu integrieren, eine geniale Entscheidung gewesen. Dass auf vielleicht 10-20 brauchbare Anwendungen massenhaft Schrott kommt, ist wahrscheinlich nicht einmal ein schlechtes Verhältnis.
    2. Der zweite Vorteil von Facebook gegenüber anderen professionellen sozialen Netzwerken ist, dass man ständig das Gefühl hat, dass sich etwas tut. Im Unterschied zu Xing bekommt man hier immer wieder Nachrichten darüber, was der eigene “Freundeskreis” gerade tut, schreibt, ausprobiert etc.
    3. Damit eng verbunden ist die Möglichkeit, die eigenen Kontakte mit ausgesprochen niedrigschwelligen Kommunikationsformen zu erreichen. Die Schwelle, einem Kontakt bzw. vielen Kontakten eine Email zu schreiben oder etwas ins Gästebuch zu tippen, dürfte einiges höher liegen, als ein Webfundstück oder einen Blogeintrag als “Notiz” kurz zu kommentieren und ins System zu “heften”. Der Witz ist, dass man in Wirklichkeit nicht nur “heftet”, sondern dass die Notiz direkt auf die Facebook-Startseite von zahlreichen der eigenen “Freunde” gelangt.
      post.png
      Eine Push-Kommunikation, die sich als Pull-Kommunikation verkleidet hat. Dasselbe passiert, wenn einer der Kontakte in einer der zahlreichen Gruppen etwas schreibt: per Startseite wird meine Aufmerksamkeit genau dorthin gelenkt.

    4. Viertens spricht auch die Binsenweisheit “Die Leute wollen dort sein, wo auch die anderen Leute sind” für Facebook. Man braucht nur einen Blick darauf werfen, welche namhaften Soziologen und Medienwissenschaftler (als Fake oder in Person) dort angemeldet sind und sich z.B. an Diskussionsgruppen beteiligen, um zu verstehen, warum dieses Netzwerk momentan in bestimmten professionellen Milieus konkurrenzlos ist.


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