Daily Archive for August 2nd, 2007

Mikroformate

Wer sich in Web2.0-Kreisen bewegt, ist sicher schon einmal auf den Begriff “microformat” gestoßen. Was verbirgt sich dahinter? Im wesentlichen geht es hier um einfache, offene Datenformate, die sowohl maschinen- als auch menschenlesbar sein wollen. Ein Beispiel dafür dürfte den WordPress-Benutzern allgegenwärtig sein (Klick zum Vergrößern):

xfn.png

Wenn man seiner Blogroll einen neuen Link hinzufügt, kann man dort angeben, in welcher Beziehung man zu dem Link steht: Handelt es sich um eine andere eigene Webadresse? Oder um einen Freund, Kontakt, Bekannten, den man bereits oder auch nicht “physisch” getroffen hat? Oder ist es ein Arbeitskollege, ein Nachbar, gar ein Familienmitglied? Oder gehört die Beziehung in das Reich der romantischen Liebe? Das Format, in dem diese “link relationship” dann gebracht wird, heißt XFN (XHTML Friends Network) und ist – richtig geraten – ein Mikroformat, das entwickelt wurde, um soziale Beziehungen zu klassifizieren. So könnte zum Beispiel der Link in einer Blogroll dann so aussehen:

<a href="http://www.eigenarbeit.org/blog" rel="friend met">

Das heißt nichts anderes als, dass der Poster dieses Links mit mir befreundet ist und wir uns auch schon außerhalb der virtuellen Realität begegnet sind. Neben dem erwähnten XFN gibt es aber noch zahlreiche andere Formate zur Beschreibung von Personen, Organisationen, Ereignissen, Meinungen, Rezensionen, Lizenzen, Kategorien, Tags oder Listen. Auch die Verbannung von Webcrawlern funktioniert per Mikroformat. Letztlich zielen diese Formate alle darauf, das Web zu semantifizieren, so dass letztlich die Berners-Lee’sche Vision Wirklichkeit wird, in der Computer sich mit anderen Computern austauschen können und sich zum Beispiel selbstständig im Netz umsehen nach Freunden des Benutzers, die in der Nähe wohnen und zu einem Videoabend eingeladen werden können. Aber der Anspruch der Mikroformate richtet sich auch auf die Menschenlesbarkeit. Nur: wer will denn im HTML-Quellcode herumwühlen, um herauszufinden, wie der Blogroll Link zum eigenen Blog auf einer anderen Seite klassifiziert wird.

<a href="http://www.eigenarbeit.org/blog" rel="spammer idiot">

(An alle mitlesenden Juristen: Wäre so etwas eigentlich eine abmahnungsfähige Beleidigung?) Außerdem können diese Mikroinformationen ja auch per JavaScript dynamisch in die Seite eingefügt werden, dann gibt’s im Quellcode erst mal gar nichts zu lesen. Abhilfe schafft ein Firefox-Plugin namens “Operator”, das jede geladene Seite nach Mikroformaten durchscannt und diese dann höchst menschenlesbar darstellt.

Wenn ich mich zum Beispiel mit eingeschaltetem Operator auf Twitter oder last.fm bewege, dann sehe ich sofort, dass hier Informationen über meine Freunde/Kontakte auch im hCard-Mikroformat abrufbar sind.

twitter.PNG

Diese Informationen kann ich dann zum Beispiel direkt als Visitenkarte im vCard-Format abspeichern oder meinem Windowsadressbuch hinzufügen. Oder ich lasse mir diese Informationen gleich in meine Yahoo-Kontaktliste einspeisen. Wenn sich auf einer Seite Tags befinden, dann kann ich mir zu diesen Tags Bilder auf flickr anzeigen lassen, passende Bookmarks auf del.icio.us oder Blogs beziehungsweise Einträge auf technorati. Wenn etwas als Ort kodiert ist, kann ich gleich GoogleMaps starten lassen und den Ort suchen. Aber es kommt noch praktischer: Surfe ich auf last.fm, dann kann ich Konzerttermine, die dort angegeben sind, ganz leicht in meinen Google- oder Yahoo-Kalender importieren. Und das alles nur mit ein bis zwei Mausklicks. Und wenn mir die vorhandenen Mikroformate oder Skripte nicht reichen, kann ich eigene programmieren.



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