Der Anfang? “Frisch auf den Tisch”

Eine der frühesten Erwähnungen des Begriffs “Weblog” oder “Blog” in der deutschen Presse ist der Artikel “Frisch auf den Tisch” (23.1.1999) von Johanna Adorjan über das Ende von Rainald Goetz’ Blog-Experiment “Abfall für alle”. Zu vermuten ist, dass die besonderen Merkmale dieses Blogs (ein prominenter Autor, der kein Journalist ist und eine One-to-many-Kommunikation) die Wahrnehmung des Konzepts “Weblog” noch einige Zeit (bis heute?) geprägt hat. Meine Notiz dazu:

Eines der ersten öffentlichkeitswirksamen Blogs in Deutschland wurde ein Jahr (bis zum 10.1.1999) unter dem Titel “Abfall für alle” lang von Rainald Goetz geführt. Dort war es möglich, “einem Menschen, noch dazu einem denkenden, anonym so dicht auf den Fersen zu sein”. Das Weblog als technisches Hilfsmittel zur Befriedigung voyeuristischer Impulse? Auf der einen Seite der Blogger, der hier natürlich noch nicht so heißt, der seine Gedanken ins Internet schreibt und auf der anderen Seite der anonym bleibende Beobachter, von dessen mitlesender Präsenz der Schreiber gar nichts mitbekommen kann. Es geht hier nicht um Kommentare (schon gar nicht politischer Art) und gar nicht einmal unbedingt um Gefühle. Stattdessen besteht das Blog aus dem “was Rainald Goetz am Vortag gedacht hatte”. Der große Vorteil der Bloglektüre (“Internet-Tagebuch”) gegenüber der üblichen Buchlektüre (was in diesem Fall das konkurrierende Medium wäre) liegt in der Aktualität: “Weil das Geschriebene stets frisch war” ist das Lesen eines Blogs reizvoll. Dabei kann das Blog-Lesen soziale Nähe stiften: man hat dieselbe Sendung gesehen, so dass es eine “Überschneidung” im eigenen Leben und dem Leben des Bloggers gibt.



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